„Eine Medienfläche ist ein Verstärker von Emotion“
Stefan Pagenkemper, Mitgründer von Experience Media, über den Weg vom Erlebnis zur Technik – und warum die entscheidende Frage nie mit der Fläche beginnt. Experience Media ist ein herstellerunabhängiges Planungsbüro für audiovisuelle Erlebniskonzepte mit langjähriger Erfahrung im Stadion- und Retail-Umfeld.
Stadionwelt: Welche strategische Rolle spielen Medienflächen heute in modernen Indoor-Arenen – und wie hat sich deren Bedeutung für das Fanerlebnis in den letzten Jahren verändert?
Stadionwelt: Aus Ihrer Projekterfahrung: Welche typischen Herausforderungen treten bei der Planung von Medienflächen in bestehenden Arenen auf – und wie ermittelt man den Bedarf für ein Konzept, das man vielleicht noch gar nicht hat?
Pagenkemper: Das ist die wichtigste Frage – und der häufigste Fehler zugleich. Oft wird zuerst die Technik beschafft und danach überlegt, was man zeigt. Wir gehen den umgekehrten Weg: Experience First. Am Anfang steht das gewünschte Erlebnis – was soll ein Fan an einem Punkt seiner Journey fühlen? Daraus leiten wir ab, welche Fläche wo Sinn ergibt und welche man sich spart. In der Bauphase zahlt sich das doppelt aus: Wer die Dramaturgie früh kennt, plant Statik, Leitungswege und Sichtachsen von Anfang an mit – statt teuer nachzurüsten. Die größte Herausforderung im Bestand ist selten die Technik – es ist die Reihenfolge des Denkens.
„Die größte Herausforderung im Bestand ist selten die Technik“
Stadionwelt: Welche technologischen Trends und Innovationen werden die Entwicklung von Medienflächen in den nächsten drei bis fünf Jahren besonders prägen?
Pagenkemper: Der eigentliche Trend ist nicht „mehr Fläche“, sondern mehr Dramaturgie. Konkret sehen wir drei Entwicklungen: Flächen wachsen zusammen und werden als ein durchgängiges Bild bespielt. Inhalte werden datengestützt und reagieren auf Spielstand, Publikum und Tageszeit, statt starr abzulaufen. Und die Grenze zwischen Fläche und Fan verschwimmt, etwa wenn das Smartphone Teil der Inszenierung wird. Entscheidend bleibt die Integration – nicht das einzelne Display, sondern das Zusammenspiel aller Flächen zu einer Erzählung, inklusive Sound und Licht. Darin sehen wir als herstellerunabhängiger Planer die eigentliche Aufgabe: die richtige Technologie für das konkrete Erlebnis zu orchestrieren.
Stadionwelt: Woran erkennt man ein gelungenes Medienflächen-Konzept?
Pagenkemper: Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt, wie stark der Unterschied ist, wenn Medienflächen früh und vom Erlebnis her gedacht werden. Das überzeugendste Beispiel ist selten die spektakulärste Installation, sondern die stimmigste: eine Fläche, die genau dann etwas zeigt, wenn der Moment es verlangt – und schweigt, wenn er es nicht tut. Gerade im Bestand entsteht die beste Lösung dort, wo Restriktionen und kreativer Spielraum aufeinandertreffen. Wie groß der Hebel sein kann, zeigt sich international: Das Tottenham-Stadion erwirtschaftet mit Nicht-Fußball Events rund 55 Mio. Pfund im Jahr – ein Beleg dafür, dass durchdacht bespielbare Flächen eine Arena das ganze Jahr über tragen. (Stadionwelt, 13.08.2026)
- Firmenhomepage: Experience Media GmbH




