„Produktionsteams freuen sich, wenn sie nach Hamburg kommen“
Steve Schwenkglenks, Vice President & Managing Director der Barclays Arena Hamburg, spricht im Interview mit Stadionwelt über das zurückliegende Handball-Highlight und weitere wegweisende Themen der Multifunktionsarena.
Stadionwelt: Herr Schwenkglenks, wie sind die Winamax EHF FINALS 2026, eines der größten internationalen Handball-Events des Jahres, gelaufen
Stadionwelt: Welche Entwicklungen gab es bei der dritten Auflage gegenüber den Vorjahren?
Schwenkglenks: Man sieht deutlich eine weitere Professionalisierung von Jahr zu Jahr – vor allem in der Kommunikation. Eine Arena funktioniert in ihrer Struktur anders als ein Turnierveranstalter, und es dauert ein, zwei Jahre, bis man sich auf die gegenseitigen Abläufe eingestellt hat: Welche Informationen braucht der jeweils andere, auf welchem Weg, zu welchem Zeitpunkt? Das sind Dinge, die man mit der Zeit lernt. Da sind in diesem Jahr große Fortschritte gemacht worden.
Stadionwelt: Wie hat sich das auf die Veranstaltung selbst ausgewirkt – etwa bei Show, Hospitality und Medienbereich?
Schwenkglenks: Die Eröffnungsshow fand ich absolut beeindruckend, das Rahmenprogramm war gut – und das hat sich in der gesamten Atmosphäre widergespiegelt. Es hat einfach schon emotionsgeladener angefangen. Der VIP-Bereich der EHF im Platinum Restaurant war sehr gelungen. Das Pressezentrum im On Stage und Barclays Club hat sich wieder absolut bewährt – von der Größe, vom Setting, auch als Arbeitsplatz außerhalb der Pressekonferenzen. Und die Mixed Zone finde ich besonders charmant: Die VIP-Gäste nehmen denselben Weg wie die Spieler – das erzeugt eine wirklich schöne Nähe zwischen Fans und Mannschaften. Auch fernsehtechnisch hat alles sehr gut funktioniert, die Bilder in der Übertragung fand ich wirklich stark.
Stadionwelt: Warum hat sich die EHF für die Barclays Arena entschieden – und bis wann läuft der Vertrag?
Schwenkglenks: Wir haben mit diesem Turnier hier in Hamburg begonnen, mit der ganzen Turnierserie. Da ist verständlich, dass der Veranstalter sagt: Ich möchte mir anschauen, wie es sich entwickelt – gerade bei einem neuen Produkt. Deshalb arbeiten wir mit Jahresverträgen. Und wir sehen eine Steigerung in den Ticketverkäufen, was sehr positiv ist. Ich glaube, es sind alle zufrieden – vor allem auch die Teams und die Fans. Gerade für die Nordclubs und ihre Anhänger ist die Anreise sehr kurz, was sicher gern gesehen wird. Man muss natürlich aber klar sagen, dass diese deutsche Dominanz mitsamt Nord-Derby sich aus der gesamten Saison auf sportlichem Weg ergeben hat und nicht etwa geplanter Bestandteil des Event-Formats ist.
„Extrem erfahrenes und hoch professionelles Team“
Stadionwelt: Was spricht darüber hinaus für Hamburg als Standort?
Schwenkglenks: Hamburg ist ein attraktiver Markt für Handball mit einer langen Tradition. Als Austragungsort von Handball-Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und dem DHB-Pokal hat die Barclays Arena bereits bewiesen, dass sie über ein extrem erfahrenes und hoch professionelles Team verfügt – genau das, was einen Top-Standort für Turniere ausmacht. Dazu kommen die Hotelkapazitäten – da muss man sich in Hamburg keine Gedanken machen, das funktioniert hier besser als fast überall sonst. Und was heute bei großen internationalen Turnieren ebenfalls wichtig ist: die Einbindung und Unterstützung der Stadt. Da gab es von der Stadt Hamburg bereits ein klares Commitment, das auch über dieses Jahr hinaus weiterzuführen. Das ist ein sehr positives Zeichen – und ich glaube, das gibt der EHF eine sehr gute Grundlage, das Turnier auch weiterhin hier zu veranstalten.
Stadionwelt: Was sind die größten Herausforderungen bei einem Event wie den EHF Finals – und womit beweist sich die Barclays Arena?
Stadionwelt: Beim Kölner Final4 des DHB kam erstmals ein LED-Glasboden zum Einsatz – bei den EHF Finals ist das – zumindest noch – nicht der Fall. Welche anderen technischen Lösungen würden Sie hervorheben?
Schwenkglenks: Was ich wirklich gut finde, ist unser System mit dem mobilen LED-Würfel – vier große LED-Wände, die zu einem Würfel zusammengestellt werden. Wir haben keinen klassischen Video Cube, der fest in der Arena hängt, sondern eine flexible Lösung, die sich sehr gut in die Show einbinden lässt. Dazu kommt die Einbindung unseres Fascia Boards als Infoboard – das finde ich ebenfalls eine sehr gelungene Lösung. Und fernsehtechnisch waren wir sehr gut aufgestellt, was bei einem Turnier mit hoher internationaler TV-Abdeckung auch entscheidend ist.
„Es passiert sehr viel“
Stadionwelt: Was haben Sie zuletzt getan, um Veranstaltern und Besuchern die bestmögliche Arena zu präsentieren?
Stadionwelt: Was passiert darüber hinaus, das Besucher kaum wahrnehmen – aber für den Betrieb entscheidend ist?
Schwenkglenks: Das sind oft die aufwendigsten Maßnahmen. Wir haben alle Wände und Böden geöffnet und nach 25 Jahren die kompletten Abwasserleitungen getauscht – im laufenden Betrieb, von dem die Gäste nichts mitbekommen. Und wir haben im letzten und diesem Jahr sämtliche Fahrstühle im Haus komplett erneuert. Das fällt den meisten nicht auf, ist aber essenziell. Als nächstes kommt die Lüftung, dann wird man sich auch dem Dach annehmen müssen. Mit 25 Jahren kommt bei einer Arena vieles gleichzeitig – das ist ein kritischer Punkt, an dem man einfach viel erneuern muss. Wir haben früh angefangen, aber das wird uns noch einige Jahre begleiten.
Stadionwelt: Die Hamburger Bevölkerung hat gegen eine Olympia-Bewerbung gestimmt. Welche Auswirkungen hat das auf die langfristige strategische Planung der Barclays Arena?
Schwenkglenks: Direkten Einfluss auf das Operative hat das nicht. Natürlich hätte man sich gefreut, Olympische Spiele im Haus zu haben – das ist für jede Location ein Highlight. Und natürlich hat man sich, als die Stadt anfragte, damit beschäftigt, was das bedeutet hätte: Wie lange wäre die Arena geblockt? Das muss man Veranstaltern rechtzeitig kommunizieren – normalerweise planen die anderthalb Jahre im Voraus, aber bei einem Block von 2,5 bis 3 Monaten für Olympia und Paralympics wäre ein Vorlauf von etwa 3 Jahren sinnvoll gewesen. Aber operativ wäre es am Ende nichts grundlegend Neues – Weltmeisterschaften hatten wir hier schon im Haus, Deep Branding und all das kennen wir. Das ist schade, aber für die Arena im Jahr 2040 ist das heute noch kein Thema. (Stadionwelt, 11.06.2026)
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