„Der Schlüssel liegt in der Zusammenarbeit“
Geschäftsführer Mirco Markfort und Britta Kriesten, Head of Event and Programming, sprechen über die Besonderheiten der Arena, Entwicklungen über die Jahrzehnte und die Aktivitäten des Managements der Rudolf Weber-ARENA.
Stadionwelt: 30 Jahre Arena Oberhausen – wie viel von der heutigen Arena entspricht noch dem, was 1996 eröffnet wurde?
Kriesten: Zudem ist der Spirit, der hier mit dem ersten Arena-Team 1996 eingezogen ist, noch derselbe. Oberhausen und das gesamte Ruhrgebiet haben sich in den 1990er Jahren in einer Zeit des Wandels befunden. Das ganze Projekt war ein Vorreiter und man hat diesen Spirit auch in der Arena gelebt – es wurde innovativ gearbeitet, man war stets äußerst flexibel und vor allem serviceorientiert. Diese Einstellung hat das Team über die letzten 30 Jahre hinweg beibehalten und prägt es bis heute. Stadionwelt: Was waren die größten Meilensteine bei der infrastrukturellen Entwicklung bzw. auch Aktualisierung der Technik?
Kriesten: Im Jahr 2018 haben wir eine umfassende Renovierung des Foyers durchgeführt, vom Boden über die Wände bis zu einer neuen Besucherleitführung. Es wurden erstmals großflächig digitale Werbedisplays installiert. Wir haben zudem die Backstage-Räumlichkeiten renoviert, vornehmlich die Star-Garderoben – ausgestattet mit Playstations, Infrarotheizung und allem, was Künstlern größtmöglichen Komfort bietet. Auch unsere Suiten wurden modernisiert. Um die Attraktivität für unsere Veranstalterkunden weiter zu steigern, haben wir eine Produktionsküche gebaut, ein neues Bühnensystem angeschafft und eine Lifeline im Dach installiert. In puncto Sicherheit wurde eine Zaunanlage errichtet, um die Außenhaut besser zu schützen, und wir haben als erste Arena in Deutschland das Evolv-System eingeführt – ein KI-basiertes Detektionssystem, das den Einlass deutlich beschleunigt und gleichzeitig die Customer Journey komfortabler gestaltet.
Markfort: Alles in allem sind es drei große Bereiche, in die in den letzten 30 Jahren investiert wurde: Produktionsbedingungen, Sicherheit und Customer Experience. Unser Fokus liegt für die nahe Zukunft insbesondere auf der weiteren Verbesserung der Customer Experience.
„Fokus auf Customer Experience“
Stadionwelt: Was müssen Sie tun, um für Veranstalter attraktiv zu bleiben?
Kriesten: Die Anforderungen der Produktionen entwickeln sich ständig weiter, Zeit- und Kostendruck steigen. Wir verfolgen nach wie vor den Ansatz der Partnerschaft – der Schlüssel liegt in der Zusammenarbeit, nicht allein in der Infrastruktur. Das ist es, was die Arena Oberhausen in den letzten 30 Jahren ausgemacht hat: Wir verstehen Veranstalter nicht nur als Mieter, sondern als Partner, die wir bestmöglich unterstützen, damit ihre Veranstaltungen erfolgreich sind.
Stadionwelt: Für die Veranstalter ist natürlich auch das Potenzial für die Ticket-Verkäufe am Standort wichtig. Wie steht Oberhausen da?
Kriesten: Für uns ist die Anbindung an das Centro und die „Neue Mitte Oberhausen“ entscheidend. Die Gäste können hier nicht nur die Show besuchen, sondern einen ganzen Nachmittag oder ein Wochenende verbringen – das spiegelt sich in den Ticketverkäufen wider. Gemeinsam mit den Veranstaltern nutzen wir diesen Standortvorteil auch aktiv, etwa über Werbemaßnahmen direkt im Einkaufszentrum. Zusätzlich zum großen Einzugsgebiet der „Metropole Ruhr“, trägt die Einbettung der Arena in die Neue Mitte maßgeblich zur Attraktivität des Standortes für Veranstalter bei
Stadionwelt: Im Arena-Ranking Deutschland von Stadionwelt für 2025 belegte die Rudolf Weber-ARENA mit insgesamt 581.500 Besuchern Platz 15. Waren Sie damit zufrieden?
Markfort: Der 15. Platz im Gesamtranking ist ein gutes Ergebnis. Bei uns handelt es sich hauptsächlich um Besucher im Entertainment-Sektor, da wir kein Home Team im Sport haben. Bei den reinen Entertainment-Zahlen lagen wir auf Platz 9. Der Entertainment-Sektor ist unser Fokus, und hier unter den Top 10 zu sein, erfüllt uns mit Stolz: Oberhausen zählt nicht zu den relevantesten Großstädten in Deutschland. Wir können uns sicherlich nicht mit Köln, Hamburg, Berlin, München oder Stuttgart messen, aber es ist schön zu sehen, dass wir in dieser Beziehung oben mitspielen können.Dass wir diese Zuschauerzahlen über die letzten Jahrzehnte trotz der Nähe zu unserer Hauptkonkurrenz in Dortmund, Düsseldorf und Köln mehr oder weniger gehalten haben, zeigt aber auch, dass der Markt relativ abgegrenzt ist und sich in Nordrhein-Westfalen sortiert hat. Grundsätzlich sind wir sehr positiv für die Zukunft gestimmt, da es ein sehr stabiles Geschäft ist. Das letzte Jahr war zudem für die Rudolf Weber-ARENA wirtschaftlich eines der besten Jahre überhaupt.

Das komplette Arena-Ranking und das Stadion-Ranking 2025 sowie alle erhobenen Daten seit 2012 finden Sie im Data Center von Stadionwelt:
Arena-Ranking nach Besucherzahlen
Arena-Ranking nach Veranstaltungen
Stadion-Ranking nach Besucherzahlen
Stadion-Ranking nach Veranstaltungen
Stadionwelt: Warum hatten Sie nie dauerhaft ein Home Team im Sport?
Kriesten: Wir hatten durchaus ein Home Team, nämlich im Eishockey. Das waren die Revierlöwen, die von 1997 bis 2002 hier gespielt haben. Dann gab es auch noch die Ruhr Devils - ein Basketballteam, das für eine Saison hier gespielt hat. Beide sind von anderen Standorten hierhergezogen.
Markfort: Oberhausen hat in keiner klassischen Indoor-Sportart eine gewachsene eigene Tradition. Versuche, ein amerikanisches Franchise-Modell zu etablieren, haben sich hier nicht nachhaltig durchgesetzt. Daher hat man sich früh konsequent auf den Entertainment-Bereich ausgerichtet – ein Ansatz, der auch sehr gut zur baulichen Struktur der Halle passt. Mit ihrer U-Form und ohne zweite Kurve ist sie dafür ideal ausgelegt. Gleichzeitig bietet die Arena natürlich die Flexibilität, jederzeit eine Eisfläche zu aktivieren. Das nutzen wir beispielsweise bei Produktionen wie Disney on Ice.

Stadionwelt: Die Infrastruktur der Eisbahn besteht also weiterhin – oder bauen Sie für solche Events eine mobile Eisbahn ein?
Markfort: Die Leitungen liegen noch. Wir nutzen aber nur die Betonwanne mit den Zuleitungen und haben keine eigene Eistechnik mehr in Betrieb. Das lösen wir mit mobilen Anlagen temporär. So bekommen wir innerhalb von zwei bis drei Tagen eine fertige Eisfläche. Eishockey-Spiele würden allerdings einen wesentlich höheren Aufwand bedeuten, allein schon wegen der Banden-Systeme. All dies ist in den anderen Hallen vorrätig, da sind die Organisationskosten deutlich geringer. Deswegen ergibt es einfach mehr Sinn, entsprechende Events dort zu veranstalten, wo die Eisbahn dauerhaft in Betrieb ist. Das ist beim Handball ähnlich.
Stadionwelt: Aber der Kampfsport scheint bei Ihnen gut zu laufen.
Markfort: Ja, Kampfsport funktioniert, insbesondere hier im Ruhrgebiet. Ein besonderes Highlight war zu Jahresbeginn der Auftritt von Agit Kabayel aus Wattenscheid, der seinen WM-Vorbereitungskampf vor ausverkaufter Arena absolvierte. MMA ist definitiv auch ein Thema, das hier weiter stattfinden wird. Das ist dann auch vergleichsweise einfach auf- und abzubauen.
„Event-Mix wird multikultureller“
Stadionwelt: Was sind derzeit die bestimmenden Trends in der Veranstaltungsbranche?
Kriesten: Für uns am Standort Oberhausen ist es weniger ein Trend, sondern mehr eine längerfristige Entwicklung, die natürlich auch mit der gesellschaftlichen Entwicklung einhergeht. Wir leben hier in einem sehr multikulturellen Gebiet, und demnach ist auch unser Veranstaltungsmix in den letzten Jahren multikultureller geworden. Wir erhalten immer mehr Anfragen für Veranstaltungen vor allem aus dem arabischen, aber auch aus dem osteuropäischen Bereich. Auch indische Künstler sind schon vermehrt bei uns aufgetreten. Diese Veranstaltungen funktionieren bei uns sehr gut, was sich natürlich bei den entsprechenden Veranstaltern herumspricht. Unser Event-Mix wird daher, denke ich, zukünftig noch multikultureller werden.
Markfort: Für uns ist es definitiv ein Trend-Thema, Nischen zu bedienen und breitere Zielgruppen anzusprechen. Auf nationaler und internationaler Ebene gibt es die bekannten Trends mit immer mehr Stadiontourneen von großen Künstlern, die sich dann nicht mehr in den Hallen aufhalten. Oder sie suchen sich zwei, drei Locations aus, in denen sie fünf Konzerte hintereinander spielen, also gar nicht mehr auf eine richtige Deutschland-Tournee gehen. Darunter leiden natürlich die etwas kleineren Hallen. So erklärt es sich, dass wir gezwungen sind, uns ein bisschen anders aufzustellen, breitere Zielgruppen anzusprechen, ein anderes Geschäft zu bedienen und den Mix zu erweitern.
Stadionwelt: Blick voraus: Was bringt die Zukunft?
Markfort: Im Endeffekt geht es um die Themen, die überall diskutiert werden. Wir werden die Arena weiter digitalisieren und fit für die nächsten 30 Jahre machen. Wir müssen herausfinden, inwieweit KI Unterstützung bieten kann, um eine bessere Customer Experience herbeizuführen. Hier muss definitiv zielgerichtet investiert werden, um weiter wettbewerbsfähig zu sein. Der Fokus liegt auf der Customer Experience, effizienteren Abläufen und mehr Komfort für die Besucher.
Wir würden natürlich auch gerne unsere Kapazität verdoppeln, was allerdings einen kompletten Neubau erfordern würde. Zumindest konnten wir im vorletzten Jahr unsere Innenraumkapazität durch eine Erhöhung der zulässigen Besucherzahl pro Quadratmeter erweitern. Es gibt zudem Ideen, die Hospitality-Bereiche zu vergrößern, vielleicht nach außen zu verlagern und dort entsprechende Flächen zu schaffen. Wir wollen uns in den Bereichen Hospitality und Customer Experience weiterentwickeln. Dabei hilft natürlich die Expertise von Legends Global. Gemessen an ihrem Alter erweist sich die Arena jedoch weiterhin als solide, werthaltige und gut erhaltene Venue, die erfolgreich in die Zukunft geführt werden kann. (Stadionwelt, 02.06.2026)
- Firmenhomepage: Rudolf Weber-ARENA









