„Das kann man nur mit Gebäudeleittechnik realisieren“
Dieter Henning leitet in Frankfurt die größte Eissportanlage Deutschlands. Im Gespräch mit Stadionwelt erklärt der Vizepräsident des Vereins der Eismeister (VDEM), wie ein 44 Jahre altes Gebäude modern sein kann und welche Bedeutung eine zeitgemäße Gebäudeleittechnik hat.

Henning: Ich bin bei der Stadt Frankfurt Leiter des Betriebsbereichs 2 im Sportamt, seit gut 27 Jahren. Dazu gehört die Eissporthalle, aber auch andere Sportanlagen mit Hallen und Freiflächen. Ich bin verantwortlich für das Personal und für die Durchführung von Veranstaltungen seitens der Stadt als Vermieter.
Das Management der Eissporthalle bedeutet, öffentlichen Eislauf, Vereinssport und Profisport zu koordinieren sowie Lauf- und Trainingspläne zu erstellen. Wir haben verschiedene Vereine und Nutzergruppen, die wir in 15-Minuten-Intervallen auf verschiedene Eisflächen takten.
Stadionwelt: Und wie sehr sind Sie im technischen Betrieb involviert?
Henning: Ich komme aus der Technik. Ich bin Elektromeister, habe bei der Stadt Frankfurt im technischen Bereich angefangen, bevor ich dann Gesamtleiter der Halle wurde. Die Eishalle Frankfurt mit über 24 Tonnen Ammoniak als Kältemittel und entsprechend großer Technik wird von mir im Verbund mit dem Team betreut. Das sind 12 Mitarbeiter in diesem Bereich, davon vier Personen, die rein die Technik betreuen und spezielle Schulungen haben.
Stadionwelt: Welche Herausforderungen bringt eine Halle dieses Altersmit sich, auch im DEL-Betrieb?
Henning: Die Eishalle Frankfurt ist die größte Anlage in Deutschland mit allen Eissportarten und dem Profisport der Löwen Frankfurt. Allerdings ist sie mit ihrem Baujahr 1981 natürlich schon in die Jahre gekommen. Es ist nicht mehr die modernste Spielstätte, es ist nun mal nicht der SAP Garden. Beim Eishockey passen 7.000 Zuschauer in die Halle. Das erfüllen wir, aber wir müssen uns immer an die Neuerungen der Anforderungen für den DEL-Spielbetrieb anpassen. Zum Beispiel wurde ja die Flexbande Pflicht oder andere Dinge, die sukzessive hier umgesetzt wurden.
Schwierig bei der Anpassung ist der VIP-Bereich. Bei einer Halle dieses Alters waren solche Bereiche noch nicht eingeplant, und ein direkter Einbau ist nicht möglich. Unser VIP-Bereich ist angrenzend angegliedert, nicht in der Halle — das sind einige Nachteile für die DEL-Leute bei uns in Frankfurt. Dennoch ist die Spielstätte seit Jahrzehnten DEL-tauglich und mit über 700.000 Besuchern inklusive des öffentlichen Eislaufs und Vereinssport noch sehr beliebt im Rhein/Main-Gebiet.
Stadionwelt: Wie funktioniert der Wechsel vom Alltagsbetrieb zum DEL-Spieltag?
Henning: Wir haben verschiedene Eisflächen: zwei große Eisflächen für Eishockey und Eiskunstlauf, eine kleine Halle für Curling und zusätzlich einen 400-Meter-Ring. In der großen Halle findet zum Beispiel freitagabends ein Eishockeyspiel der Frankfurter Löwen statt, ein DEL-Spiel. Gleichzeitig haben wir weitere Eisflächen für andere Aktivitäten, bei denen sich 1.500 öffentliche Eisläufer aufhalten und in der kleinen Halle noch die Bambinis beim Eishockey. Obwohl ein DEL-Spiel mit 7.000 Zuschauern stattfindet, läuft also parallel öffentlicher Eislauf mit 1.500 Gästen und Vereinssport – das ist eine Herausforderung in der Planung. Wir haben fünf Eisbearbeitungsmaschinen. Eine normale Eissporthalle hat in der Regel nur eine, maximal zwei. Entsprechend brauchen wir mehr Personal.
Wir haben drei Schichten und von Montag bis Sonntag geöffnet, von 7 bis 24 Uhr. Die Schichtführer betreuen die Technik und koordinieren die Kollegen auf dem Eis. Insgesamt sind das zwölf Mitarbeiter für Durchführung, Eisqualität, Aufsicht und Reparaturen sowie Mithilfe bei Veranstaltungen. Ohne ein harmonisches Team lassen sich die anfallenden Aufgaben nicht stemmen. Bei 330.000 öffentlichen Eisläufern in der Saison können sich jeder vorstellen, wie viele Erste-Hilfe-Leistungen anfallen und dass die Aufsicht nicht zu vernachlässigen ist.
Stadionwelt: Welche Modernisierungsmaßnahmen haben Sie zuletzt umgesetzt?
Henning: Wir hatten vor kurzem in zehn Meter Entfernung einen Neubau des Schwimmbades. Die Stadt Frankfurt hat über die Bäderbetriebe Frankfurt ein modernes Schwimmbad errichtet, und wir sind jetzt im Wärmeverbund. Wir geben Abwärme von der Eissporthalle in das Schwimmbad ab und müssen weniger Energie aufwenden, um die Abwärme loszuwerden.
Stadionwelt: Was sind derzeit die wichtigsten Aufgaben des VDEM?
Henning: Ich bin seit Beginn meiner Tätigkeit als Leiter der Eissporthalle im Verein der Eismeister. Das Wichtigste ist das Netzwerken — sich untereinander verständigen, Probleme besprechen und gegenseitig helfen. Deutschlandweit sind sehr viele Eissportanlagen im Verein vertreten, mit Firmenmitgliedschaften oder Einzelmitgliedschaften. Über E-Mail, WhatsApp oder andere Kanäle wird gegenseitig geholfen. Das ist das Hauptaugenmerk.
Genauso wichtig ist die Fortbildung der Kollegen auf dem Eis. Seit 2013 gibt es einen Fortbildungslehrgang, zertifiziert von der Industrie- und Handelskammer zu Köln. Wir bilden im Schnitt knapp 20 Personen pro Jahr zur Fachkraft für Eissportanlagen aus, die eine bestimmte Qualifizierung haben, die sich mittlerweile auch in Vorschriften widerspiegelt.
Stadionwelt: Der Eismeister ist kein geschützter Ausbildungsberuf — hat die Zertifizierung schon tarifliche Anerkennung?
Henning: Die Eismeister haben keinen eigenen Ausbildungsberuf, so kann man auch Stellen nicht entsprechend ausschreiben. In der Regel haben alle an Eissportanlagen tätigen Mitarbeiter aber einen technischen Beruf gelernt. Sie kommen aus den Sparten, die man in einer solchen Facility braucht: Schlosser, Elektriker, Automechaniker. Sie werden nach ihren Kenntnisständen in den Bereichen eingesetzt, die sie gelernt haben. Alles andere, das spezifisch für die Infrastruktur des Eissports ist — wie wird das Eis hergestellt, wie wird es erhalten, wie fährt man die Maschinen — das geschieht mit dem Anlernen der jüngeren Kollegen durch die älteren.
Damit das einheitlicher und strukturierter wird, wurde 2013 der erwähnte Lehrgang „Fachkraft für Eissportanlagen“ ins Leben gerufen, zertifiziert von der Industrie- und Handelskammer zu Köln, mit umfangreicher Theorie, zwei Wochen Lehrgang und Praxistagen bei uns in Frankfurt. Da wir die größte Eissportanlage in Deutschland sind, werden die Praxistage dieses Lehrgangs bei uns durchgeführt, immer Ende August.
Stadionwelt: Wie stellt sich die Personalsituation in deutschen Eishallen dar?
Henning: Früher konnte man sagen, man hat in der Eishalle angefangen und ist ein Berufsleben lang dabeigeblieben, weil man nicht nur auf die Verdienstmöglichkeiten geschaut hat, sondern wegen des Spaßfaktors und mit Herz dabei war. Das sieht man auch heute noch — in der Vernetzung mit anderen Eishallen sind die Kollegen teilweise Jahrzehnte dabei. Wenn mittlerweile neue Leute dazukommen, orientieren sie sich nach vier, fünf Jahren oft um, wollen sich verbessern. Deshalb ist es wichtig, dass die Kommunen, die die Leute einstellen, wissen, was sie an diesen Mitarbeitern haben. Wenn jemand gut ausgebildet ist, ist das ein großer Wert. Man sollte entsprechend bezahlen, damit diese Kollegen nicht nur mit Herz dabei sind, sondern auch ihre Wohnung bezahlen und ihre Familie ernähren können. Das ist nicht überall gleich, da gibt es Unterschiede in den Bundesländern. Der Tarifvertrag hat sich im Bereich der Arbeiter zum öffentlichen Dienst gebessert, sodass man sagen kann, dass die Bezahlung im Durschnitt in etwa die eines guten Facharbeiters ist.
Stadionwelt: Gibt es bei Normen und Vorschriften rund um Eissportanlagen aktuelle Entwicklungen?
Henning: Zurzeit wird die DIN 18036 überarbeitet — das Regelwerk zum Bau und Betrieb von Eissportanlagen. Sie ist in den letzten Zügen der Überarbeitung, aber ohne wesentliche Änderungen. Das sind meist kleinere Anpassungen. Was in der Szene aber eingeschlagen hat, war die TRAS 110 zum Betrieb von Ammoniak-Anlagen. Jetzt muss während des Betriebs solcher Eissportanlagen mit Ammoniak fachkundiges Personal vor Ort sein. Dazu zählt eben auch die geprüfte Fachkraft für Eissportanlagen, die wir ausbilden und die in diesem Bereich anerkannt ist.
Stadionwelt: Wie wichtig ist für Eissportanlagen heute Energieeffizienz und moderne Gebäudetechnik?
Henning: Für die Stadt Frankfurt und speziell das Sportamt sind energieintensive Anlagen wie eine Eissportanlage mit 9.000 m² Eisfläche ein wichtiges Thema. Es gibt ständig Änderungen und zusätzliche Einbauten. Die Anlage ist 44 Jahre alt, aber die verbaute Technik keine zehn Jahre. Wer heute keine Gebäudeautomation hat, bezahlt wesentlich mehr für Energie. Es werden neue Komponenten eingesetzt, die Energie einsparen, oder zum Beispiel auch Solaranlagen zur Stromerzeugung.
Das ist ein vielfältiges Thema und betrifft alle Eissportanlagen, die immer im Fluss sein müssen und versuchen, Verbesserungen einzubauen, um die Anlage effizienter und kostengünstiger zu betreiben. Da steckt viel Potenzial in der Technik.
Stadionwelt: Wie aufwendig ist die Saisonvorbereitung in einer so großen Anlage?
Henning: Man muss sich sehr frühzeitig vorbereiten. Wenn die Anlage in den Sommerbetrieb geht, fängt man schon wieder an, Komponenten für die Eissaison einzubauen. Wiederkehrende Prüfungen müssen geplant und vorher durchgeführt werden. Denn wenn eine Kälteanlage eingeschaltet und eine Eisfläche aufgebaut wird, kann ich keine umfangreichen technischen Änderungen oder Reparaturen machen — die Anlage muss laufen. Das macht man in der Stillstandszeit. Die meisten Hallen haben nicht durchgängig Eis, sondern haben drei, vier Monate Sommerbetrieb, einen Veranstaltungsbetrieb ohne Eis, wie wir auch. Wir sind ab der ersten Minute außer Betrieb bis zur letzten Minute vor Wiederinbetriebnahme mit Änderungen, wiederkehrenden Prüfungen und Reparaturen beschäftigt. Das ist kein Problem in Frankfurt. Obwohl unsere Halle ein gewisses Alter hat, sieht man ihr durch diese ständigen Einbauten das Alter nicht an, weder in der Technik noch in der Optik.
Stadionwelt: Der SAP Garden ist als Hightech-Referenz gestartet — was sagen Sie zum diesem Projekt?
Henning: Alles ist größer und schöner, wenn ein Architekt an einem geschichtsträchtigen Ort eine solche Halle plant. Das ist natürlich gelungen und macht etwas her. Es hat aber sehr viel Geld gekostet, was nun mal nicht jede Kommune stemmen kann. Das waren über 350 Millionen Euro. Besonders positiv in diesem Zusammenhang ist, dass sie in München noch drei Eisflächen haben für den Amateursport und öffentlichen Eislauf.
Im Grunde ist die Steuerung der Technik aber genauso wie bei uns angelegt. Es gibt Kieback&Peter und weitere Hersteller von Gebäudeleittechnik, da gibt es auch noch Siemens und andere. Die Lösungen sind also auf dem Markt. Wer Großanlagen wie unsere betreibt, kann das nur mit Gebäudeleittechnik realisieren. Sprachalarmierungsanlagen sind bei uns genauso erforderlich wie in München. Die gesamte umfangreiche Brandschutzgeschichte müssen alte und neue Hallen gleichermaßen erfüllen, der Standard ist derselbe.
Die eingebaute Technik ähnelt sich in vielen Bereichen. Wir haben auch LED-Beleuchtung, wir folgen der Entwicklung — ältere Hallen werden immer auf den neuesten Stand gebracht, wenn sie kommunal betrieben werden. Bei privaten Hallen sieht das manchmal anders aus. Die werden gerade so gefahren, dass sie noch Gewinn erzielen. Da können nach 30, 40 Jahren so viele Reparatur- und Instandsetzungskosten anfallen, dass die Halle eventuell geschlossen werden muss. Das haben wir im kommunalen Bereich seltener.
Stadionwelt: Frankfurt plant eine neue Multifunktionsarena — wie stehen Sie zu diesem Projekt und was bedeutet das für die bestehende Eishalle?
Henning: Für den DEL-Sport oder allgemein für Veranstaltungen im Rhein-Main-Gebiet braucht man eine attraktive Spielstätte. Die wird von der Stadt Frankfurt im Bereich des Fußballstadions gebaut werden. Dennoch wird es weiterhin die Eishalle Frankfurt geben mit 150.000 Vereinssportlern in der Saison und über 300.000 öffentlichen Eisläufern.
Die Überkapazität der großen Halle mit ihrer Technik relativiert sich, da man z. B. die Lüftung nur voll fahren muss, wenn entsprechend Zuschauer da sind. Die Hülle wird nicht zurückgebaut, denn es wird immer noch große Einzelveranstaltungen geben. Wir haben ja bereits Sommerveranstaltungen, seit Jahren die Mannschafts-Weltmeisterschaft im Darts PDC Mannschafts-World Cup mit namhaften Spielern und Kulturveranstaltungen mit 4.000, 5.000 Zuschauern — das wird nicht jede Woche stattfinden, aber immer noch oft genug.
Es könnte auch durchaus sein, dass der Profi-Eishockey teilweise noch Spiele bei uns stattfinden lässt, weil in der neuen multifunktionalen Arena andere Veranstaltungen Vorrang haben oder ein DEL-Spiel aufgrund seiner Attraktivität nicht maximale Besucherzahlen erreicht, was uns wieder attraktiv macht. Die Profis würden weiterhin hier trainieren, deshalb würde garantiert nicht zurückgebaut. Die Technik würde, solange es die Eishalle Frankfurt gibt, weiter auf dem Stand gehalten.
Stadionwelt: Was ist Ihre Einschätzung zu Eisbearbeitungsmaschinen?
Henning: Das Wichtigste, was eine Eismaschine können muss, ist eine gute Eisoberfläche herstellen — nicht unbedingt alleine fahren oder schöne Chassis haben. Die Eismaschine muss es einem ausgebildeten oder eingewiesenen Mitarbeiter ermöglichen, gut Eis zu fahren.
Die neueste Technik muss nicht die beste sein. Wir sehen das anders: Wir haben Zamboni im Einsatz, die sind relativ einfach aufgebaut, haben aber einen hervorragenden Schnitt zum Eishobeln, und man kann relativ einfach Reparaturen selbst durchführen. Wir brauchen keinen Techniker, der per Laptop ins Netz geht und nachschaut, warum ein bestimmter Sensor nicht funktioniert und die Maschine nicht läuft. Wir brauchen Maschinen, die robust und immer einsetzbar sind mit wenig Ausfallzeiten.
Das ist ähnlich wie beim Auto — nicht immer ist die neueste Innovation die langlebigste. Deshalb setzen wir lieber auf altbewährte Technik, zumal wir viele Mitarbeiter haben und jeder etwas unterschiedlich in der Handhabung ist.
Es gibt mittlerweile teilweise selbstfahrende Fahrzeuge, aber nur im weitesten Sinne. Wir haben elektrische Geräte, das ist Standard — in Hallen können Sie kaum etwas anderes einsetzen. Das ist nicht neu, gibt es schon Jahrzehnte. Neu ist, dass es Maschinen gibt, die ohne Fahrer arbeiten, aber da müssen Sie viel in die Peripherie investieren. Es gibt noch viele Unbekannte, die Technik ist nicht hundertprozentig ausgereift. Man spart nicht unbedingt Ressourcen, sondern hat in der Regel mehr Probleme.
Standard-Ausstattungen wie Batterie oder elektrischer Antrieb – ich vergleiche das mit dem Auto: ein Fahrzeug mit relativ einfacher Technik versus ein sehr aufwendiges, in dem Sie eventuell Zeitung lesen können — laufen die schon rund auf der Straße? So ist es auch in der Eistechnik. (Sportplatzwelt, 05.08.2025)
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