„Es ist unser Ziel, nachhaltiger und effizienter zu werden“
Im Interview mit Sportplatzwelt spricht Daniel Ruff, Technischer Leiter des Amts für Sport und Bewegung der Landeshauptstadt Stuttgart, über die klimaneutrale Sanierung der Eiswelt Stuttgart.

Ruff: Wir haben den bestehenden Gasheizkessel mit 1,2 Megawatt Heizleistung und das erdgasbetriebene Blockheizkraftwerk (BHKW) durch vier Wärmepumpen ersetzt. Die Wärmepumpen verwenden die Abwärme der Kältemaschinen als effiziente Wärmequelle. Der Strombedarf wird über eine innovative Photovoltaik-Anlage (PV) und zertifizierten Ökostrom gedeckt. Zudem bildet die Eiswelt einen Energieverbund mit ihrer Nachbarin, der Sporthalle Waldau. Die PV-Anlage der Sporthalle produziert mehr Strom als die Halle selbst verbrauchen kann. Von diesem Stromüberschuss profitiert die Eiswelt. Die Eiswelt hingegen versorgt die Sporthalle Waldau mit Abwärme. Diese nutzt die Sporthalle neben ihrer Geothermie als Quellwärme für den Betrieb von zwei Wärmepumpen, welche die Sporthalle beheizen und die dezentralen Frischwasserstationen für die Warmwasserbereitung versorgen.
Sportplatzwelt: Welche Bereiche und Gewerke waren dabei mit besonderen Herausforderungen verbunden? Warum musste beispielsweise auf spezielle PV-Systeme gesetzt werden?
Ruff: Besonders herausfordernd gestaltete sich die Unterbringung der zusätzlichen Installationen: Die vier Wärmepumpen, drei zusätzliche Pufferspeicher, die umgebende Installation und zusätzliche Frischwasserstationen konnten trotz des Ausbaus des BHKW und des Gasbrennwertkessels nur mit planerischem und handwerklichem Geschick in die bestehende Technikzentrale integriert werden. Auch die Integration der Wärmepumpen in die bestehende Gebäudeleittechnik ist komplex. Um eine hohe Effizienz des Gesamtsystems zu erreichen, müssen alle Parameter optimal aufeinander abgestimmt werden. Die Konstruktion des Daches der Eiswelt ließ eine PV-Anlage auf einer herkömmlichen Aufständerung nicht zu, da die Befestigung die Dachfolie perforiert hätte. Die Gefahr von Undichtigkeiten war zu groß. Das Gewicht einer konventionellen PV-Anlage wäre auch statisch problematisch geworden. Die Lösung bot dann eine leichte, kaum zwei Zentimeter dicke PV-Folie. Diese wurde direkt mit der Dachhaut verklebt und versorgt die Eiswelt seit 2024 mit Sonnenenergie.

Mit Start der laufenden Saison, hat die PENNY DEL das Thema Nachhaltigkeit verbindlich – bis in die Lizenzierung hinein – implementiert. Die Clubs haben begonnen, Maßnahmen einzuleiten. Fernziel ist die Klimaneutralität bis 2040. Einen ausführlichen Artikel dazu finden Sie in der aktuellen Ausgabe Stadionwelt INSIDE 1/2025. Hier geht es direkt ins eBook.
Sportplatzwelt: Die Umrüstung der Eiswelt Stuttgart ging mit Investitionskoten in Höhe von rund 2,65 Mio. Euro einher. Wie wurden diese Investitionskosten finanziert und wie wirken sich die Umrüstungen auf die laufenden Betriebskosten aus?
Ruff: Die Finanzierung wurde durch ein stadtinternes Contracting-Programm des Amts für Umweltschutz sowie durch Mittel des Amts für Sport und Bewegung ermöglicht. Das stadtinterne Contracting-Programm fördert wirtschaftliche Energiesparmaßnahmen. Dabei werden wirtschaftliche Maßnahmen zur Energieeinsparung vom Amt für Umweltschutz vorfinanziert. Die durch diese Maßnahme eingesparten Energiekosten fließen bis zur Refinanzierung der Maßnahme an das Amt für Umweltschutz zurück. Zusätzlich wurden Fördermittel im Bundesprogramm Effiziente Gebäude (BEG) bei der KfW beantragt. Die umgesetzten Maßnahmen sind wirtschaftlich, da die Gesamtkosten über die technische Lebensdauer hinweg niedriger ausfallen als die bisherigen Betriebskosten der ersetzten Heizungsanlagen. Abhängig von der Entwicklung der Energiepreise kann sich diese Wirtschaftlichkeit noch weiter verbessern.
Sportplatzwelt: Inwieweit kann die Sanierung der Eiswelt Stuttgart als Blaupause für vergleichbare Projekte dienen?
Ruff: Stuttgart möchte bis 2035 klimaneutral sein. Dazu wollen wir als Amt für Sport und Bewegung unseren Beitrag leisten. Das Amt für Sport und Bewegung ist sehr bestrebt, seine Anlagen energieeffizient und nachhaltig zu betreiben. Auch bei anderen Sanierungsprojekten, beispielsweise von Sporthallen, ist es unser Ziel, nachhaltiger und energieeffizienter zu werden. Dieses Ziel verfolgen wir sowohl bei Einzelmaßnahmen in unseren Anlagen als auch bei allumfänglichen Sanierungsvorhaben. Seit 2012 wurden in den Gebäuden des Amts für Sport und Bewegung knapp 75 Prozent CO2-Emissionen eingespart. (Sportplatzwelt, 01.04.2025)



