„Eine gewisse Zurückhaltung ist spürbar“

Interview mit Hans-Jörg Zech, Inhaber und Geschäftsführer der Zecco GmbH, über Recruiting, Netzwerke und den wachsenden Einfluss von Künstlicher Intelligenz im Sportbusiness.

Hans-Jörg Zech
Hans-Jörg Zech Bild: Zecco GmbH
Stadionwelt: Welche Besonderheiten zeichnen das Recruiting im Sport- und Venue-Management grundsätzlich aus?
Zech: „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.“ Diese Weisheit prägt den Wettbewerb im Fußball – und lässt sich auch auf Managementaufgaben im Sport übertragen. Wer den spezifischen „Stallgeruch“ von Verein oder Verband nicht mitbringt, erhält in der Regel keinen Arbeitsvertrag auf Führungsebene. Während ein Wechsel etwa vom Bankwesen in die Versicherungsbranche in Industrie und Dienstleistung vergleichsweise problemlos möglich ist, bleibt der Einstieg externer Wirtschaftsexperten in das „Krokodilbecken“ Profifußball die Ausnahme. Genau diese Realität wird von vielen erfolgreichen Managern außerhalb des Sports unterschätzt: Sie sind überzeugt, ihre Erfahrungen in einen Verein einbringen und dort grundlegende Veränderungen anstoßen zu können. Häufig sind es jedoch genau diese Ansätze, die in Vereinsgremien auf Zurückhaltung stoßen, statt auf spontanen Zuspruch.

Stadionwelt: Welche Trends beobachten Sie aktuell bei der Besetzung von Führungs- und Schlüsselpositionen im Sport- und Venuebusiness?
Zech: Aktuell ist eine Entwicklung hin zu mehr Pragmatismus zu beobachten. Transformation bedeutet nicht zwangsläufig, neue und risikoreiche Themenfelder zu besetzen, sondern auch, bestehende Prozesse kritisch zu hinterfragen und die personelle Struktur – sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht – neu zu bewerten. Die Übertragung von DAX-Konzernstrukturen auf Profisportvereine ist wirtschaftlich oft riskant, insbesondere wenn die Zukunft geplant und dabei die Gegenwart vernachlässigt wird. Derzeit ist eine gewisse Zurückhaltung spürbar: Neu- und Nachbesetzungen werden sorgfältiger geprüft, bevor Entscheidungen getroffen werden. Das führt insgesamt zu geringerer Dynamik – der Stellenmarkt wirkt momentan eher verhalten.

Stadionwelt: Inwieweit verändern Digitalisierung, Daten und Künstliche Intelligenz sowohl die Anforderungen an Fach- und Führungskräfte als auch das Recruiting?
Zech: Digitalisierung, Datennutzung und der Einsatz von KI führen zu einer grundlegend veränderten, teils effizienteren Strukturierung von Prozessen. Frühere Bauchentscheidungen lassen sich heute besser faktenbasiert überprüfen, Abläufe werden gebündelt und beschleunigt. Gleichzeitig geht dabei ein Teil der individuellen, beziehungsorientierten Komponente verloren. Im Recruiting werden vorhandene Potenziale nicht immer optimal genutzt: So kann etwa bei der automatisierten Erstellung von Longlists Qualität verloren gehen. Zugleich rücken Kandidaten in den Fokus, deren Profile formal passen, die aber in einer persönlichen Vorauswahl möglicherweise nicht berücksichtigt worden wären. Das kann Prozesse verlängern und zusätzlich anonymisieren. Die Gefahr einer „Massenverarbeitung“ besteht – mit möglichen Entfremdungseffekten zwischen Akteuren im Markt.

„Automatisierte Abläufe ersetzen zunehmend persönliche Empfehlungen“

Stadionwelt: Der Sport gilt als beziehungsgetriebene Branche: Welche Bedeutung haben persönliche Netzwerke und der „Faktor Mensch“ im Vergleich zu datenbasierten Ansätzen?
Zech: Die Bedeutung persönlicher Netzwerke nimmt im Recruiting spürbar ab. Beziehungen spielen im formalisierten Prozess der Personalsuche über interne HR-Strukturen nur noch eine begrenzte Rolle. Automatisierte Abläufe ersetzen zunehmend persönliche Empfehlungen; zugleich führen Compliance-Anforderungen dazu, dass selbst Führungskräfte auf die aktive Unterstützung ihnen bekannter Kandidaten verzichten. Das stärkt die Position der Personalabteilungen, kann jedoch im Einzelfall zu qualitativen Einbußen bei Neueinstellungen führen. Gleichzeitig geraten spezialisierte Sportmanagement-Headhunter unter Druck, da sie teilweise durch technologische Lösungen ersetzt werden.

Stadionwelt: Wie wird sich das Zusammenspiel aus Technologie, Headhunting und internen HR-Strukturen im Sport entwickeln?
Zech: Entscheidend wird die Qualität der Ergebnisse sein. KI kann ein sinnvolles unterstützendes Instrument sein, wird jedoch die persönliche Bewertung nicht ersetzen. Die finale Entscheidung über eine Einstellung trifft weiterhin ein Mensch und nicht die Maschine. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich das Verhältnis zwischen technologischen Lösungen und menschlicher Einschätzung konkret entwickelt. (Stadionwelt, 10.08.2026)

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