Studienreise zeigt innovative Venue-Konzepte im Norden
Die Schweizer Stadion- und Arenabetreiber (VSSA) besuchten auf einer Studienreise sechs Veranstaltungsstätten in Kopenhagen und Malmö und gewannen Einblicke in unterschiedliche Betriebsmodelle, Infrastruktur und Eventkonzepte. Hier der Bericht:
Sechs Häuser, zwei Länder, dazwischen das Meer. Der Verein der Schweizer Stadion- und Arenabetreiber (VSSA) auf Studienreise in Kopenhagen und Malmö. Vom ehrwürdigen Nationalstadion über eine Konzerthaus-Institution bis zum stadteigenen Kongresszentrum – so unterschiedlich sind dort Eventlocations organisiert und finanziert.
Angenehme 24 Grad, eine frische Brise, strahlend blauer Himmel – Kopenhagen zeigt sich von seiner schönsten Sommerseite. Während die Schweiz schwitzt, tanken die Mitglieder des Vereins der Schweizer Stadion- und Arenabetreiber (VSSA) frischen Wind in Skandinavien. Nicht nur was die Temperaturen betrifft, sondern vor allem auch, was den exklusiven Einblick in die faszinierende Vielfalt der dortigen Eventlocation-Kultur und -Infrastruktur betrifft. Eine dreitägige Studienreise führt sie hinter die Kulissen der wichtigsten Venues der Öresund-Region. Geführt wird die rund 20-köpfige VSSA-Delegation von Olivier Toth, dem Geschäftsführer der Luxemburger Rockhal und Vice-President von Arenas Europe. Die Stimmung im komfortablen Reisebus ist gut: Am Vorabend hat man gemeinsam im «The Globe Irish Pub» den Schweizer Sieg im Fussball-WM-Gruppenspiel gegen Kanada gefeiert.
Erste Station: das Parken Stadion, Dänemarks Nationalstadion und Heimat des FC Kopenhagen. Jacob Nakel empfängt die Delegation und führt durch das einzige Stadion des Landes mit schliessbarem Retraktionsdach. 38'065 Plätze für Fussball, bis zu 55'000 bei Konzerten, dazu 113 VIP-Logen – Zahlen, die beeindrucken. Genauso spannend ist für die Schweizer Gäste das Betriebsmodell: Parken Sport & Entertainment ist börsenkotiert, ein Private-Equity-Konstrukt, das in der Schweizer Venue-Landschaft seinesgleichen sucht. Die Konversionslogistik zwischen Fussballfeld und Konzertbühne, erklärt Jacob Nakel, sei mittlerweile binnen weniger Stunden zu bewältigen. Besonderes Interesse weckt das «Scan-Grab-Go»- Selbstbedienungssystem für Essen und Getränke: Gäste treten mit Karte oder Mobile Payment ein, entnehmen ihre Produkte und werden – dank anonymisiertem Multi-Kamera-Scan – beim Verlassen automatisch belastet. Dadurch reduzieren sich Wartezeiten – und der Umsatz wird erhöht.
Nach einem Lunch im trendigen Food-Market Torvehallerne gehts ins Vesterbro-Quartier. Dort wartet Vega, das «House of Music» – und CEO Anders Wahrén, der mit spürbarem Stolz durch das denkmalgeschützte Haus führt. Die ästhetischen Holztöne in nordischer Schlichtheit, die weichen Farben und die vielen Details geben diesem Konzertort mit Seele und Charme eine gemütliche, elegante Atmosphäre. 1956 als Volkshaus der dänischen Gewerkschaftsbewegung erbaut und 1996 zum Konzerthaus umgebaut, gilt Vega als eine der besten Mittelbühnen Europas: rund 350 Konzerte pro Jahr, 700 bis 800
auftretende Künstlerinnen und Künstler, fast ausschliesslich Eigenproduktionen. Wahrén erläutert das stiftungsbasierte Finanzierungsmodell – öffentlich gefördert, aber operativ unabhängig: "Programmautonomie ist für uns keine Floskel, sondern die Grundlage unseres Erfolgs", sagt er.
Das Dinner findet über den Dächern von Østerbro statt. Im Gro Spiseri, Dänemarks führendem Rooftop- Restaurant, eingebettet in eine 600 Quadratmeter grosse Stadtfarm auf dem Dach eines ehemaligen Autoauktionshauses – mit Gemüse, Kräutern, Hühnern und Kaninchen. Die engagierte Crew zaubert im Gewächshaus an einem langen Tisch saisonale Fine-Dining-Spezialitäten auf den Tisch mit Zutaten direkt vom Dach oder von lokalen Bio-Produzenten, Fischern und regionalen Lieferanten. Ein unvergessliches Ambiente für einen Abend unter Freunden.
Am nächsten Morgen wird die Öresundbrücke nach Schweden überquert. In der Malmö Arena empfängt CEO Sasa Vejzovic die VSSA-Mitglieder. Die Arena, vollständig privat finanziert und betrieben, war zweifacher Austragungsort des Eurovision Song Contest und ist zugleich Heimstadion des Eishockeyteams Malmö Redhawks. Vejzovic führt hinter die Kulissen dieser Halle, die bis zu 15'500 Zuschauer fasst und neben einer eigenen Eishockey-Trainingshalle auch 61 Logen und 3'500 Sitzplätze in Restaurant- und Barbereichen anbietet. Auf besonderes Interesse stossen bei den VSSA-Mitgliedern die 24 Fast-Food- und
Kioskpositionen, die ein schnelles Check-out und damit mehr Umsatz ermöglichen.
Quer durch die Stadt führt die Reise dann ins nördliche Hafenquartier zu Malmö Live, einem markanten Ensemble aus Konzerthaus, Kongresszentrum, Hotel und Gastronomie. Matilda Johansson, Head of Planning, und Mark Lewis, Head of Audience Development, führen zuerst zur spektakulärsten Location: der
Brasserie «Grand Italian» im 25. Stock mit herrlicher Aussicht über Stadt und Meer. Wer meint, damit sei das Highlight vorweggenommen, täuscht sich: Sieben Spielstätten, darunter der auf Gummipolstern gelagerte, akustisch hochwertige «Konsertsalen», Heimat des Malmö Symphony Orchestra, der kleinere Multifunktions-Saal «Kuben», 24 Konferenzräume und das integrierte 444-Zimmer-Hotel bilden wirtschaftlich, logistisch und architektonisch eine starke Einheit. Malmö Live befindet sich vollständig im Eigentum der Stadt Malmö. Johansson erläutert die Querfinanzierung zwischen Konzert- und Kongressbetrieb, während Lewis das Konzept der Publikumsentwicklung erklärt, das weit über klassisches Ticketing hinausgeht.
Nach einem Lunch-Stop im quirligen Streetfood-Paradies Malmö Saluhall geht es zurück über den Öresund nach Kopenhagen, wo als letzte Station im Quartier Ørestad die Royal Arena ansteht. Direktor Anders Kjørup empfängt die VSSA-Gäste in einem architektonischen Meisterwerk, das 2017 eröffnete und als
modernste Arena Dänemarks gilt. Betrieben wird sie von Live Nation Denmark, das den Grossteil der Veranstaltungen selbst produziert. Kjørup zeigt die skalierbare Raumstruktur, die zwischen 9'800 Sitzplätzen und 17.000 Konzertplätzen praktisch jede Konfiguration erlaubt. Mit bis zu 35'000 Quadratmetern Fläche verfügt sie über grosse Foyerbereiche sowie ausreichend Raum für Catering, Service und Back-of-House-Funktionen. Die VSSA-Mitglieder sind beeindruckt von der hohen Skalierbarkeit und der kurzen Wegeführung für Publikum und Produktion – eine hochflexible, kommerziell starke Eventmaschine mit sehr breitem Einsatzspektrum.
Zu schnell fliegen die Stunden vorbei. Kurz bevor der Flieger auf dem Flughafen Kastrup wieder nach Zürich abhebt, zieht VSSA-Präsident Philipp Musshafen eine begeisterte Bilanz: "Zwei Städte, sechs Venues und völlig unterschiedliche Betriebsmodelle. Das hat mich sehr beeindruckt. Wir haben gesehen, wie man in einem vergleichsweise kleinen Markt wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Die Öresundregion liefert dafür überraschend viele Antworten – und eine erfrischende Brise nordischer Inspiration, die wir auch in der Schweiz immer wieder gut gebrauchen können." (Stadionwelt, 07.08.2026)
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