„Wir wollen das Wohnzimmer der Region sein“
Daniel Hopp, Geschäftsführer der SAP Arena, spricht über 20 Jahre Venue-, Event- und Sport-Management sowie die Besonderheiten der Mannheimer Spielstätte. Der Ausblick reicht aus einem ganz bestimmten Grund nur bis 2035.
Stadionwelt: Die SAP Arena steht seit 20 Jahren in der Spitzengruppe der deutschen Arenen mit rund einer Million Besuchern jährlich. Das kann nicht allein der gegebenen Zuschauerkapazität zu verdanken sein. Was war Ihr Erfolgsrezept?Hopp: Das ist eine Teamleistung eines großen, sehr engagierten Teams, das seit vielen Jahren mit mir zusammen diesen Standort nach vorne bringt. Wir haben sehr früh auf konsequente Kundenorientierung gesetzt – sowohl gegenüber den Künstlern und deren Agenturen als auch gegenüber unseren Besuchern und Fans. Besucherservice ist für uns zentral: eine gute An- und Abreise und dass sich die Menschen wohlfühlen und sicher fühlen. Entscheidend sind auch die persönlichen Beziehungsgeflechte, die über die Jahre entstehen. Anfangs hatten wir mit Ziggy Grimm einen erfahrenen Eventmanager, der uns viele Kontakte und positiven Input gebracht hat. Heute haben wir mit dem Team um Vanessa Achzenik eine sehr gute persönliche Struktur aufgebaut.
Stadionwelt: Sie managen gleichzeitig die Adler Mannheim und die SAP Arena. Welche Vorteile bringt das?
Hopp: Das bringt erhebliche Synergien: eine flexiblere Terminvergabe, eine gemeinsame Vermarktung von Sponsoring, Logen und Business Seats sowie eine einheitliche Marktansprache von SAP Arena und Adler Mannheim. Ein wichtiger Vorteil ist das Verständnis für beide Seiten. Ich sitze manchmal zwischen den Stühlen, kann aber sowohl die Sport- als auch die Arenabetreiber-Perspektive einschätzen. Das hilft uns sehr in der Gesamtausrichtung.
Stadionwelt: Wie ist die wirtschaftliche Trennung zwischen Arena und Club organisiert?
Hopp: Ganz klar getrennt. Es sind zwei unterschiedliche Gesellschaften mit klaren Miet- und Pachtverträgen. Die wirtschaftlichen Flüsse sind eindeutig geregelt – jeder behält seinen generierten Umsatz. Die Vorteile liegen in der Terminkoordination und gemeinsamen Marktansprache, nicht in wirtschaftlichen Querfinanzierungen.
Stadionwelt: Welche Sport- und Show-Highlights der vergangenen 20 Jahre sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Hopp: Unser internationaler Durchbruch war der Klitschko-Boxkampf im April 2006 – nur sieben Monate nach Eröffnung. Wladimir Klitschko holte sich gegen Chris Byrd den WM-Titel zurück. Mit der internationalen TV-Übertragung waren wir von heute auf morgen im globalen Event-Business etabliert. Dem Klitschko-Management bin ich bis heute dankbar für dieses Vertrauen.
Bei den internationalen Sportveranstaltungen gab es einige absolute Highlights: Die Eishockey-WM 2010 werden wir nie vergessen. Deutschland gewann hier im Viertelfinale 1:0 gegen die Schweiz und zog zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder ins Halbfinale ein. Dazu kommen die Handball-WM 2007, die Handball-EM 2024 und 2027 wieder die Eishockey-WM mit den deutschen Spielen bei uns.
Bei den Konzerten denkt man natürlich an Madonna, Bruce Springsteen oder Pink. Besonders spannend war das einzige deutsche Hallenkonzert von Police. Das wurde zwei Tage vorher abgesagt, aber zum Glück später nachgeholt. Aber es wäre unfair, einzelne Namen herauszupicken. Es ist die Breite der Künstler, die immer wieder zu uns kommen, die uns stolz macht. Das zeigt: Wir leisten gute Arbeit und können im Konzert der großen deutschen Multifunktionsarenen mitspielen.
Stadionwelt: Die Top-Spielstätten ähneln sich in ihrem Programm. Was macht die SAP Arena besonders? Was ist ihr Charakter?
Hopp: Es ist die Region, die viel ausmacht. Wir haben eine starke Wirtschaftsregion mit vielen erfolgreichen Firmen. Die Mitarbeiter haben Interesse an Freizeitgestaltung und vertrauen uns ihre Freizeit an. Wir müssen als Gebäude immer up to date bleiben, modern sein, aber gleichzeitig Wert auf Tradition, Region und Herkunft legen. 2005 sind wir mit dem Slogan angetreten: „Wir wollen das Wohnzimmer der Region sein." Das ist uns gut gelungen. Wir schaffen positive Erlebnisse und Emotionen in einem sicheren Umfeld. Diese Leitlinie haben wir erfolgreich umgesetzt.
Stadionwelt: Wie schafft es eine Arena, über Generationen mehr zu sein als nur ein Gebäude? Sie waren technologisch von Anfang an auf hohem Niveau und sind es 20 Jahre später immer noch – während der neue Namensvetter SAP Garden als Showcase neuester Technik startet. Was ist Ihr Konzept, um im Bestand dauerhaft up-to-date zu bleiben?
Hopp: Beides ist wichtig. Nach der Sommerpause sollen Besucher merken: Wir haben diese Zeit genutzt, das Gebäude auf Vordermann zu bringen. Es soll nicht aussehen wie eine 20 Jahre alte Halle die durch den Besuch von 18 Millionen Besuchern verschlissen wurde, sondern gepflegt und modern. Dazu gehört moderne Technik wie LED-Anlagen und durchdachter Customer Service. Mit unserem Partner SAP arbeiten wir an einer optimalen Fan Experience mit wenig Hürden. Viele Kleinigkeiten tragen dazu bei: Die Halle wirkt modern und wir bieten den Menschen ein gutes Umfeld.
Wichtig ist, mit offenen Augen und offenen Ohren durch die Welt zu gehen und Neuerungen offen gegenüberzustehen. Man muss mit der Zeit gehen. Nur wenn man diese Offenheit hat und nicht sagt „es war schon immer so“, dann ist man relativ schnell in der Komfortzone und wird bequem. Unsere Entwicklung kann man ein Stück weit übertragen auf ein solches Gebäude: Das entwickelt sich einfach über die Jahre hinweg weiter. Man kann sich aber nur weiterentwickeln, wenn man sich Neuerungen und Trends nicht verschließt.
Ich versuche, mich international viel umzuschauen bei Arenen und Veranstaltungen. Ich war jetzt in Kanada bei einem Tennisturnier und bei einem Konzert von The Weeknd. Vieles aus dem nordamerikanischen Markt funktioniert bei uns anders, aber trotzdem muss man sich damit beschäftigen. Offen sein, positive Themen angehen, auch mal was ausprobieren, aber nicht jedem Trend hinterherrennen.
Stadionwelt: Gibt es konkrete Pläne oder eine Roadmap zur Weiterentwicklung der Arena? Haben Sie da ein Ziel, eine Vision vor Augen?
Hopp: Wenn man sich den Lebenszyklus von technischen Anlagen, von beispielsweise LED-Anlagen und so weiter vor Augen führt, dann haben wir da natürlich auch einen Investitionsbedarf, der sich in den nächsten Jahren einstellen wird und wo wir auch wissen, dass wir den umsetzen werden.
Anforderungen an Konzertveranstaltungen werden höher, es werden unter anderem höhere Dachlasten angefragt. Da muss man mitgehen, wenn man im Konzert der Großen weiterhin mitspielen will. Das sind dann auch Investitionen, die der Besucher vielleicht im ersten Moment überhaupt nicht sieht – wenn zum Beispiel die Kapazitäten der Dachlasten erhöht werden – aber die sind eben notwendig, um überhaupt ein Konzert durchführen zu können.
Stadionwelt: Wie sind Sie persönlich in diesen 20 Jahren mit diesem extrem stressigen, unberechenbaren Geschäft zurechtgekommen? Sie wirken sehr entspannt.
Hopp: Das Wichtigste ist, dass man großen Spaß bei seiner Arbeit hat. Ich bin total stolz darauf, dass wir hier ein Team haben, in dem sehr viele von Tag 1 an heute noch dabei sind. Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Ich bin unheimlich gern Teil von diesem Team.
Ich habe mir die SAP Arena schon in meinen frühen 20er Jahren zu meiner Lebensaufgabe gemacht. Wir sind als Familie in eine große Investition gegangen und ich habe von Anfang an eine große Verantwortung dafür empfunden. Dieses Geschäft ist ein Personengeschäft, manchmal launisch, aber die persönlichen Beziehungen machen es aus. Und man hat immer die Möglichkeit, das Ganze positiv zu gestalten. Mir macht es nach wie vor großen Spaß, in diesem emotionsgeladenen Sport- und Eventgeschäft zu arbeiten. Ich kann mir wirklich keinen schöneren Job vorstellen.
Stadionwelt: Sie werden sich also nicht aus diesem Geschäft zurückziehen. Aber es kommt unweigerlich das Jahr 2035...
Hopp: Richtig: 2035 geht die SAP Arena als Gebäude vom Eigentum her an die Stadt Mannheim über und der Pachtvertrag zwischen der Besitzgesellschaft, die dann der Stadt Mannheim gehört, und der Betriebsgesellschaft, die die Arena betreibt, läuft aus.
Wir befinden uns jetzt in den ersten Gesprächen mit der Stadt Mannheim, die natürlich, glaube ich, auch ein sehr großes Interesse hat, dass es in der Form, wie es die letzten 20 Jahre gelaufen ist, auch über das Jahr 2035 hinausgeht. Wir haben daran auch ein Interesse. Ich habe natürlich ein ganz ureigenes Interesse bezüglich der Adler Mannheim. Dort endet 2035 nicht das Eigentumsverhältnis und wir werden weiter eine gute Spielstätte brauchen. Von daher spricht vieles dafür, dass wir auch über das Jahr 2035 hinaus die Arena betreiben werden. Ich muss aber auch deutlich sagen, dass das nicht sicher ist. Die Stadt Mannheim ist Herr des Verfahrens. Wir sind in guten Gesprächen, aber ich kann nicht vorausgreifen.
Es ist noch lange genug hin auf der einen Seite, aber wenn man sieht, was an Konzertbuchungen und an Großveranstaltungen schon unterwegs ist – so auch die Handball-WM 2031 – wird andererseits auch klar, dass zehn Jahre in unserem Geschäft nicht so lang sind, wie sie scheinen. (Stadionwelt, 02.09.2025)
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