11.03.2009 - Jena


„Wir planen in jeder Hinsicht kostenoptimiert!“


W.M. Mierzwa
W.M.
Mierzwa
Der Stadion-Umbau des FC Carl Zeiss Jena befindet sich in konkreter Planung. Im Interview berichtet der Architekt, Wolfgang Michael Mierzwa, über den Stand der Dinge des Projekts, dessen Realisierungschancen durch Minimalismus gewahrt werden sollen.

Stadionwelt: Herr Mierzwa, wie ist der aktuelle Stand beim Stadionprojekt in Jena?

Mierzwa: In den vergangenen Wochen wurden verschiedene Planungs-Optionen diskutiert, wobei eine Version mit ca. 20.000 Zuschauerplätzen favorisiert wird. Jetzt geht es darum, die Machbarkeit zu untersuchen. Hierbei spielt neben der infrastrukturellen Anbindung, der Führung der Besucherströme, der Parkplätze oder der Blockeinteilung vor allem die Finanzierung eine entscheidende Rolle.

Stadionwelt: Mit welchen grundlegenden Vorgaben ist man an Sie als Planer herangetreten?

Mierzwa: Es gab eine sehr exakte Beschreibung, um genau das umzusetzen, was der FC Carl Zeiss Jena wünscht. Dabei sind neben den Vorstellungen des Präsidiums auch die der Fans beziehungsweise der Bürgerinitiative eingeflossen. Mit beiden Parteien und anderen Fachleuten laufen nach wie vor Abstimmungen über viele Details.

Stadionwelt: Welche Festlegungen haben auf diesem Wege bereits stattgefunden?

Mierzwa: Zum Beispiel die der Ausbildung der Stehplätze. Die Stufentiefe beträgt 54 Zentimeter – das fällt oftmals auch geringer aus. Dann ging es darum, in welche Kurve die Jenaer Fans beuiehungsweise die Gästefans gehen. Hiermit zusammen hängt die Planung der Erschließung. Dies wurde bereits mit der Polizei diskutiert. Es wurden zudem Überlegungen angestellt, wie wir die Vermarktungsflächen optimieren. Diese Entscheidung betrifft zum Beispiel die Höhe der untersten Tribünenstufe gegenüber dem Spielfeld – wir haben hier einen Mittelweg gefunden, der beide Anforderungen gut vereint. Weitere konkrete Überlegungen betrafen unter anderem die Art des Daches mit allen Konsequenzen für die technische Wartung.

Stadionwelt: In wie weit ist das zuletzt veröffentlichte Modell noch zutreffend?

Mierzwa: Nur in den Grundzügen. Es könnte in diese Richtung gehen, das waren aber nur grobe Skizzen vorab. Aktuellere Animationen sind in Arbeit, aber noch nicht veröffentlicht.

Stadionwelt: Man erkennt aber schon, dass zum Beispiel die Haupttribüne allein stehen soll…

Mierzwa: Ja, es wird auch kein kompletter Neubau. Die Bestands-Haupttribüne ist zwar schon einige Jahre alt und weist funktionelle Schwächen auf. Sie wird aber nicht entfernt, das wäre unter anderem wegen der Kosten für den Abbruch und den notwendigen kompletten Neubau nicht vertret- und darstellbar. Der Rest des Stadions wird aber zurückgebaut, diese Maßnahme betrifft somit drei Viertel des Stadions.

Stadionwelt: Man sieht an den Visualisierungen, dass neben der Haupttribüne ein weiterer Gebäudetrakt entstehen soll.

Mierzwa: Derzeit ist der VIP-Bereich in einem Zelt untergebracht – eine der erwähnten Schwächen des Bestandsbauwerks. Das neue Eckgebäude, das Zugang zur alten Haupttribüne erhält, wird VIP- und Business-Kontingente bedienen.

Stadionwelt: Es sieht danach aus, dass einer der alten Flutlichtmasten erhalten bleibt.

Mierzwa: Die Masten waren über Jahre hinweg ein Zeichen für das Stadion, eine Landmarke, und die Fans wollen es gerne behalten. In Dresden lag der Fall mit den „Giraffen“ ja ähnlich. Der Erhalt ist in Jena übrigens ohnehin die einfachere Lösung, weil die Saale hier so nah vorbeifließt, dass eine Erschließung der Ecke nicht möglich ist. Der Mast steht mit seinem Fundament sogar teilweise in der Saale. Diese Ecke bleibt also offen.

Stadionwelt: Welche Rolle spielt die Hochwasser-Thematik in Ihren Planungen?

Mierzwa: In der Tat gibt es einige Dinge, bei denen wir Hochwasser-Szenarios einbeziehen. Die neu gebauten Kioske und WCs, zum Beispiel, werden sich oberhalb der Hochwassermarke der letzten großen Flut befinden. Dass das Stadion vielleicht wieder überflutet wird, lässt sich aber nicht verhindern.

Stadionwelt: An einigen Merkmalen ist zu erkennen, dass Sie in Jena sehr minimalistisch planen.

Mierzwa: Das ist unser Konzept. Wir planen in jeder Hinsicht kostenoptimiert! Wir wollen schon am Anfang das Gesamtkonzept festzurren und auf dieser Basis die Kosten ermitteln um zu verhindern, das im Nachhinein die Kosten steigen, weil noch dieser und jener Wunsch nachgereicht wird. Indem wir minimalistisch arbeiten – nach dem Motto „form follows function“ – halten wir die Realisierungschancen hoch.

Stadionwelt: Welche Beispiele sind hierfür besonders prägnant?

Mierzwa: Mit der gewählten Dachneigung sparen wir Aufwand beim Tragwerk ein. Zwar können die ersten acht Reihen dem Regen ausgesetzt sein. Aber hier bauen wir Klappstühle ein, in denen sich kein Wasser sammelt. Es sind viele Details, mit denen wir Kosten sparen. Die Tribünen sind auch nicht konvex, sondern sie haben einen durchgehenden Neigungswinkel. Trotzdem sind die Sichtlinien sehr gut, wir unterbieten die Euro-Norm. Es gibt rundherum auch keine Fassade oder Verkleidungen, da werden nur die Kioske eingesetzt. All dies sind, neben vielen anderen, Dinge, durch wie wir schon in der Planung Kosten sparen.

Stadionwelt: Wie geht es jetzt weiter?

Mierzwa: Alle arbeiten mit Hochdruck. Entscheidend ist, dass die Finanzierung einmal steht. Dann kann es mit großen Schritten vorwärts gehen.

Stadionwelt: Mit welcher Bauzeit rechnen Sie?

Mierzwa: Höchstwahrscheinlich wird der Bau im Spielbetrieb durchgeführt, also in zwei Etappen. Der Rasen muss um sechs Meter versetzt werden, hier wurde uns versichert, dies sei inklusive Rasenheizung und Drainage problemlos möglich. Ich lege mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerne fest – aber die reine Bauzeit könnte 16 Monate plus/minus vier Monate betragen. (Stadionwelt, 11.03.2009)





        





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