29.05.2008 - Deutschland


„Welcher Verein möchte von der EM 2008 profitieren?“


Franz Carlo Lehmann
Franz Carlo
Lehmann
Die Conceptplan4 Ingenieurgesellschaft bietet Vereinen und Kommunen, die ein neues Stadion bauen wollen, eine preiswerte Alternative: Die Nutzung des dreiseitigen Oberranges eines Stadions der Euro 2008. Stadionwelt sprach mit Firmenchef Dipl. Ing. Franz Carlo Lehmann.

Stadionwelt: Welcher Gedanke steckt hinter dem Modell, den Oberrang eines EM-Stadions als eigenes Stadion zu vermarkten?

Lehmann: Viele Vereine, gerade im Bereich zweite und dritte Liga, suchen nach Möglichkeiten, ein modernes Stadion zu errichten, um nicht den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren. Das beweist die Vielzahl an aktuellen Bauprojekten und Vorhaben auch nach der WM 2006. Wir haben uns von der EM 2004 in Portugal inspirieren lassen, wo einige Stadien nach dem Turnier zurückgebaut und die Tribünen andernorts umgenutzt wurden. Grundsätzlich schwebt uns diese Vorgangsweise auch im aktuellen Fall vor. Wir von der Conceptplan4 Ingenieurgesellschaft haben ein modulares Konzept entwickelt, das es Vereinen ermöglicht, einen wesentlichen Anteil der Baukosten, das heißt einige Millionen Euro, einzusparen. Wir fragen: Welcher Verein möchte von der EM 2008 profitieren?

Kapazitätsvarianten zwischen 15.000 und 30.000 Plätzen

Stadionwelt: Kann man denn einen dreiseitigen Oberrang einfach so als eigenständiges Stadion verwenden?

Lehmann: Wir haben eine Anzahl unterschiedlicher Varianten erarbeitet, den Oberrang in sehr wirtschaftlicher Form als Stadion zu nutzen. Selbstverständlich ist dieses Stadion variabel und modular ausbaubar. Die Kapazität kann je nach Wunsch und Anforderung von 15.000 bis 30.000 Zuschauern entwickelt werden. Auch bieten wir alle Annehmlichkeiten einer modernen Arena. Die Tribünenkonstruktion ist dabei völlig losgelöst von den Unterrängen konstruiert und aufgebaut.

In der Haupttribüne können die Umkleide- und Duschräume, Presse- und Medienräume, Büros sowie Businesslounges untergebracht werden. Auch die Option für VIP-Räume ist gegeben. Im Bereich der anderen drei Stadionseiten sind Sitztribünen sowie weitere Businesslounges umlaufend konzipiert. Die wirtschaftliche Bauweise der VIP-Lounges ermöglicht es dem Stadionbetreiber, eine wesentlich größere Anzahl von VIP-Räumen zu erstellen. Dies schlägt sich insbesondere in wesentlich höheren Einnahmen und somit in einem besseren Betriebsergebnis nieder. Kioske, Toiletten und sonstige Funktionsräume für die Zuschauer sind auf der Zwischenebene des Stadionkörpers platziert. Der Einbau der VIP-Lounges an allen vier Tribünenseiten erfolgt durch ein modulares Elementsystem. Diese Bauweise ermöglicht eine extrem wirtschaftliche Lösung für diesen sensiblen Bereich.

Stadionwelt: Ein bedeutendes Thema dieser Tage ist die Stadionsicherheit.

Lehmann: In Sachen Sicherheit arbeiten wir auf Grundlage der Versammlungsstättenverordnung, halten alle bindenden DFL und UEFA-Vorgaben ein. Schließlich wurden die Tribünen ja auch für die bevorstehende Europameisterschaft abgenommen. Bei Themen wie Fluchtwege oder Block- und Fantrennung gibt es letztlich keine Unterschiede zu anderen Stadien, die komplett neu errichtet werden.

Stadionwelt: Wie sind Flutlicht und Anzeigetafel zu integrieren?

Lehmann: Die Anzeigetafeln werden an der Tragkonstruktion des Daches befestigt. Für die

Flutlichtanlage sind Traversen montiert, an denen die Fluter befestigt werden. Bei Bedarf können diese motorisch abgesenkt werden und eine problemlose Auswechslung von Leuchtmitteln ist möglich. Die Versorgungs- und Entsorgungsleitungen werden in extra dafür vorgesehenen Führungstraversen gebündelt und abgeleitet.

Stadionwelt: Ist das Modell überall umsetzbar?

Lehmann: Prinzipiell ist diese Bauweise mit diesem Konzept überall möglich. Bei jedem Stadionbau sind jedoch die örtlichen Gegebenheiten und Besonderheiten zu erfassen, zu bewerten und in Einklang mit dem Bauwerk zu bringen. Selbstverständlich sind wir bei jedem ernsthaften Interessenten bereit, die örtliche Situation zu überprüfen und die Machbarkeit abzuwägen. Ebenso ermitteln wir die Kosten für das Projekt standortbezogen. Bei ernsthaften Interessenten mit entsprechender Entscheidungsfreudigkeit können so in kürzester Zeit konkrete Ergebnisse erarbeitet werden. Mit großer Sicherheit können Sie davon ausgehen, dass Sie ein überraschend positives Ergebnis in wirtschaftlicher sowie in gestalterischer Form erhalten werden.

Stadionwelt: Für potenzielle Interessenten dürfte auch der Zeitrahmen nicht unerheblich sein. Wann könnte das neue Stadion denn eingeweiht werden?

Lehmann: Der Rückbau wird unmittelbar nach der EM gestartet, soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Im Laufe des letzten Quartals 2008 sollte eine Entscheidung reifen, um möglichst zeitnah mit dem Wiederaufbau und den ergänzenden Maßnahmen beginnen zu können. Dabei ist insbesondere die vorbereitende Logistik von Bedeutung um unnötige Kosten und Transporte zu vermeiden. Dies liegt in jedem Falle auch im Interesse der Bauherrschaft.

Sechs Monate reine Bauzeit

Stadionwelt: Wie lange benötigen Sie für den Wiederaufbau und Ausbau des Stadions am neuen Bauort?

Lehmann: Durch die speziellen Umstände, insbesondere die geringe Vorbereitungszeit in Sachen Planung und Vorfertigung, können die drei Tribünenseiten in vier Monaten erstellt werden. Nehmen wir zwei Monate für Arondierungs- und Anpassungsarbeiten dazu, steht der Baukörper in sechs Monaten. Parallel dazu kann die Haupttribüne in gleicher Bauzeit erbaut und fertig gestellt werden.

Stadionwelt: Wie werden die baurechtlichen Fragen geklärt?

Lehmann: Meine Antwort bezog sich natürlich auf die reine Bauzeit des Stadions. Vielerorts sind aber Bebauungspläne für den Bau eines Stadions vorbereitet, wenn nicht, sind wir dazu in der Lage dies umzusetzen. Ebenso verhält sich dies in der Frage der Baugenehmigung. Die Antragsunterlagen werden selbstverständlich von uns erstellt und mit der Behörde abgearbeitet.

Stadionwelt: Wie sollten sich Interessenten verhalten?

Lehmann: Schicken Sie einfach ein Email an uns indem Sie einige Wünsche und Randbedingungen beschreiben und wir werden umgehend Ihre Wünsche und Möglichkeiten prüfen und Ihnen entsprechende Vorschläge unterbreiten. (Stadionwelt/Pascal Reichardt, 29.05.08)





        





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