27.07.2012 - Olympia 2012


Video und Porträt: Olympic Stadium


Das Herz der Olympischen Spiele und des Olympiaparks ist der Ort, an dem die Eröffnungs- und Abschlussfeier sowie die wichtigsten Entscheidungen der Leichtathletik stattfinden: das Olympiastadion. Wie auf einer Halbinsel gelegen, wird das Olympiastadion größtenteils von einem Kanal umfasst. Zuschauer erreichen daher über insgesamt fünf Brücken Zugang zum Stadion, das für wenige Wochen zum Nabel der Sportwelt wird.

Exakt 2012 Stunden vor dem Beginn der Spiele wurde der rund 600 Millionen Euro teure Neubau nach vier Jahren Bauzeit am 5. Mai 2012 vor gut 40.000 Zuschauern feierlich eröffnet. Bis zu 80.000 Besucher werden dagegen zur Eröffnungszeremonie in der Sportstätte erwartet, deren architektonische Konzeption sinnbildlich für das grüne und nachhaltige Motto der Spiele stehen soll. Noch nie wies ein Olympiastadion eine so umfangreiche Mischung aus permanenten und temporären Elementen auf.

Der Unterrang als permanente Basis des Stadions mit einem Fassungsvermögen von 25.000 Zuschauern wurde wie eine Schüssel in den Boden eingelassen – auch, um Baumaterial zu sparen. Dafür wurden insgesamt 800.000 Tonnen Erde ausgehoben, die anschließend überwiegend in anderen Bereichen des Parks wiederverwendet wurden. Auf die untere Ebene des Stadions setzte man im Anschluss einen temporären Stahl- und Beton- Oberrang auf, der 55.000 Besuchern Platz bietet. Dieser kann theoretisch nach den Spielen entfernt werden. Die Stahl- und Betonkonstruktion ist mit einer Textilhülle verkleidet. Zwischenzeitlich wurden diese Planungen aufgrund von Sparmaßnahmen verworfen, letztendlich jedoch realisiert, da das Olympiastadion ansonsten „nackt“ ausgesehen hätte, so die Vorwürfe der Kritiker. Insgesamt 336 Stoffbahnen mit einer Breite von 2,6 Metern und einer Länge von 25 Metern bilden daher die Stadionverkleidung, die auch als eindrucksvolle Projektionsfläche genutzt werden kann.

Da der Oberrang nur als temporäre Einheit vorgesehen ist, wurde der Cateringund Sanitär-Bereich nicht wie gewohnt im Inneren des Stadions, sondern in temporären Einrichtungen außerhalb des Stadions platziert – und soll die Nachhaltigkeit genauso unterstreichen wie die verwendeten Ressourcen. Mit etwa 10.000 Tonnen Stahlverarbeitung liegt London deutlich unter den Werten von anderen Olympiastadien. Das Dach selbst wird außerdem von umfunktionierten Gasrohren gehalten.

Nichts für die Ewigkeit

Trotz des nachhaltigen Konzeptes und der Tatsache, dass das Olympiastadion von Befürwortern als Stadion der Zukunft gefeiert wird, ernten die Verantwortlichen zahlreiche negative Kritiken. Dem Stadion aus dem Baukasten fehle jeglicher Charme und Esprit. An Inspiration mangelte es zumindest nicht den Architekten des ArcelorMittal Orbit, einem 115 Meter hohen, roten Aussichtsturm, der direkt neben dem Olympiastadion errichtet wurde. Die außergewöhnliche Skulptur soll während der Spiele zu einer touristischen Attraktion werden.

Nachdem das Olympische Feuer am 12. August Richtung Zuckerhut zieht, sollen hier verschiedene Veranstaltungen ausgetragen werden. Darunter auch die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017. Bereits 2014 soll ein Nachmieter das Stadion beziehen. Insgesamt vier Bewerber sind als Interessenten verblieben. Darunter auch der Fußballclub West Ham United, der bereits einmal den Zuschlag erhalten hatte, der aufgrund von Korruptionsvorwürfen jedoch wieder entzogen wurde. (Stadionwelt, 27.07.2012)

Alle weiteren Informationen zu London 2012 finden Sie in unserem Special





        





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