30.04.2012 - EM 2012


Ukraine fragwürdiger EM-Gastgeber


Aufgrund der politisch aufgeheizten Lage in der Ukraine, mehren sich nicht nur die Stimmen aus der deutschen Politik, die Spiele der Europameisterschaft in der Ukraine zu boykottieren. Auch eine Verlegung der Spiele aus der Ukraine ist nicht mehr ausgeschlossen.

Nach einem fragwürdigen Prozess, sitzt die Oppositionsführerin und ehemalige Ministerpräsidentin Julija Timoschenko seit August 2011 wegen angeblichen Amtmissbrauchs in Haft. Die Umstände dort sind katastrophal. Auch von Misshandlungen ist die Rede. Mehrere deutsche Politiker, darunter Angela Merkel erwägen nun wegen Verletzung gegen die Menschenrechte einen Polit-Boykott und wollen die Spiele in der Ukraine nicht besuchen. Auch Bundespräsident Gauck kritisierte den Umgang der ukrainischen Regierung mit Timoschenko und sagte vor kurzer Zeit eine Reise ab. Ministerpräsident Janukowitsch wirft Kanzlerin Merkel dagegen Einmischung in Staatsangelegenheiten vor. Sachsen-Anhalts Innen- und Sportminister Holger Stahlknecht bringt nun Österreich und Deutschland als Co.-Gastgeber ins Gespräch. Aber wie wahrscheinlich ist ein EM-Aus der Ukraine und inwieweit könnten andere Städte mit ihren Stadien eintreten?

Die Ukraine ist mit vier Stadien an der EM beteiligt. Kiew, wo unter anderem das Finale stattfindet, Donezk, Lwiw und Charkow. In den Medien werden bereits mögliche Ersatzspielorte genannt. Immer wieder dabei, Berlin und Leipzig sowie Salzburg und Wien. Geographisch gesehen, liegen die vier genannten Städte zwar etwas weiter weg von der Ukraine, allerdings näher an Polen, wo die übrigen Spiele ausgetragen werden. Gerade Berlin und Leipzig würden einigen Fußballfans die Reisedauer verkürzen. Das Olympiastadion in Berlin bietet bei internationalen Spielen Platz für 74.244 Zuschauer und war bereits Endspielort der WM 2006 in Deutschland. Des Weiteren ist Berlin die Hauptstadt Deutschlands und bietet perfekte und moderne Infrastrukturen. Jedoch könnte die Nähe zu Polen ein Problem für ein friedliches Fußballfest sein, denn gewaltbereite polnische und deutsche Hooligans sind schon in der Vergangenheit öfters aneinander geraten. Auch Leipzig bietet eine geographische Nähe zu Polen. Die Red Bull Arena (früher Leipziger Zentralstadion) hat 44.000 überdachte Sitzplätze und war auch schon Austragungsort der WM 2006. In beiden Stadien finden im Juni und Juli keine Events und Veranstaltungen statt, außerdem haben sie in der Vergangenheit gezeigt, dass sie internationale Spiele austragen können und über eine sehr gute Infrastruktur verfügen. Berlin und Leipzig wären also bereit und könnten auch aufgrund der Zuschauerkapazitäten zum Beispiel Kiew und Lwiw ersetzen.

Salzburg und Wien liegen etwas weiter von Polen weg. Salzburg ist knapp 580 km, Wien 350 km von der polnischen Grenze entfernt. Allerdings waren beiden Städte Spielorte der letzten Europameisterschaft 2008 in Österreich. Wien ist die bevölkerungsreichste Stadt Österreichs und bietet mit dem Ernst Happel Stadion ein großes Fußballstadion. Hier verlor unter andrem die deutsche gegen die spanische Mannschaft das EM-Finale 2008. 53.008 Sitzplätze stehen zur Verfügung. Zudem ist Wien eine sehenswürdige Stadt mit einer modernen Infrastruktur. Auch Salzburg kann diese Anforderungen erfüllen. Die Red Bull Arena verfügt über 30. 188 Sitzplätze. Auch diese Stadien könnten Donezk oder Charkow ersetzen.

Ebenfalls als mögliche Ersatzspielorte genannt, wurden Moskau und Budapest. Moskau ist mit fast 12 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt. Das Olympiastadion Luschniki ist zudem mit 84.864 Plätzen eines der größten Stadien Europas. Es ist bereits als Finalspielort der WM 2018 in Russland vorgesehen und war Austragungsort des Champions League Finals 2008. Moskau ist zwar eine sehr moderne Stadt, hat jedoch große Verkehrsprobleme. So kann es schon mal sein, dass man mit dem Auto vier Stunden durch die Stadt benötigt. Für Fußballteams und Fans nervenaufreibend. Auch aufgrund der zuletzt politisch angeheizten Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine wäre Moskau wohl die letzte Alternative. Budapest gilt zwar als eine der schönsten Städte Europas, kann jedoch mit dem Puskás Ferenc Stadion nicht mit den international erfahrenen Städten und Stadien mithalten. Das Stadion verfügt zwar über 41.500 Plätze, ist aber weder überdacht, noch äußerst modern. Einzig die geographische Lage zu Polen, könnte es interessant machen.

Alternativen gibt es, falls die EM in der Ukraine wirklich auszufallen droht, jedoch findet das Turnier schon in fünf Wochen statt. Kann es sich die UEFA und somit ein Michel Platini überhaupt erlauben, so kurz vor einem so großen und bedeutsamen Turnier, einem Land die Austragungsrechte zu entziehen? Fakt ist: Wenn sich die politische Lage in diesem Land nicht in den nächsten Tagen und Wochen drastisch ändert, werden die Rufe nach einer Spielortverlegung lauter werden. Und somit würde der Druck auf die Ukraine und die UEFA immer größere Formen annehmen. Mit Berlin, Leipzig, Salzburg und Wien stünden vier erfahrene, moderne und große Städte und Stadien für eine Verlagerung der Spiele jedenfalls bereit.

(Stadionwelt, 30.04.2012)

Weitere Bilder zum Nationalstadion in Kiew





        





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