22.12.2012 - Bursa


Tierisches Design sorgt für Aufsehen Teil 2/2


Im September 2011 wurde in der Millionenstadt Bursa der Grundstein für ein weiteres neues Fußballstadion in der Türkei gelegt. Für Aufsehen sorgt das Design der Spielstätte, das einem Krokodil nachempfunden ist. Im Jahr 2013 soll die Timsah Arena eröffnet werden.

In einer dreiteiligen Serie widmet sich Stadionwelt dem Stadion, das sich zwischen Kitsch und architektonischem Kunstwerk bewegt und ein weiterer wichtiger Baustein in einer modernen und stark ausgeprägten türkischen Stadionlandschaft ist.

1. Teil: Geburtsstunde des "grünen Krokodil"
2. Teil: Von der Dachkonstruktion bis zum Hospitality-Konzept
Interview mit: Hasan Sözüneri, Architekt der Timsah Arena

Zum Hospitality-Konzept, mit dem man in Bursa Neuland betritt, sagt Hasan Sözüneri: „Die Logen wie auch die restlichen Hospitality-Bereiche sind so konzipiert, dass sie ausdrücklich auch an spielfreien Tagen vielfältig genutzt werden können. Das Stadion soll sich dadurch zu einer lebendigen Eventlocation für Bursa und die Umgebung entwickeln.“ Die 70 Logen sind zwischen 28 und 188 Quadratmeter groß und wurden in zwei Ebenen oberhalb der Zuschauerplätze unter das Dach gelegt. Der Architekt erklärt die ungewöhnliche Lösung:„Wir wollten diesen Bereich isolieren, da die Logen gleichzeitig auch als Büroräume genutzt werden. Der Zugang erfolgt daher auch über Aufzüge, die nur mit personalisierten Magnetkarten bedient werden können.“ Im Übrigen befänden sich diese auf gleicher Höhe über dem Spielfeld wie die Logen der Münchner Allianz Arena, nämlich 50 Meter. Für die Atmosphäre mag sich diese Vorgehensweise als vorteilhaft erweisen, denn die Linien der Tribünen, die einen engen Stimmungskessel formen, werden nur im Bereich der Haupttribüne unterbrochen.

Im Inneren des Stadionkörpers werden alle Plätze von einer lichtdurchlässigen Membrankonstruktion überdacht. Diese wird aus Polytetrafluorethen (PTFE) gefertigt. Dieses ist zwar teurer als Polyvinylchlorid (PVC), das ebenfalls häufig beim Bau von Stadiondächern verwendet wird, punktet aber durch eine höhere Lebenserwartung, ein besseres Anschmutzungsverhalten und eine hohe Tragfähigkeit. „In diesen Fällen kommt es immer darauf an, was dem Bauherren wichtiger ist“, so Roman Kemmler von schlaich bergermann und partner, den für den strukturellen Entwurf und die Tragwerksplanung des Daches zuständigen Ingenieuren.

Die Membran überzieht aber nicht nur das Dach, sondern auch die Fassade der Timsah Arena. Dort wird sie nicht als geschlossene und wasserdichte Fläche, sondern als ein offenporiges Netz und zudem in grüner Farbe installiert und verläuft in Wellenbewegungen. Entlang der beiden großen Tribünen wird mehr von der Glasfassade, die die Betonfassade des Stadionkörpers als thermische Hülle umschließt, frei gelassen. Auch der Kopf des Krokodil-Mauls wird mit einer grünen, grobmaschigen Membran überzogen.

Getragen wird die Dachkonstruktion von einer Druckringkonstruktion, ähnlich wie beispielsweise die Mercedes-Benz Arena in Stuttgart. Im Fall der Timsah Arena mussten sich die Planer aber eines Tricks bedienen, der laut Roman Kemmler zu einer Weltpremiere im Stadionbau führte: „Da die Geometrie der Spielstätte nicht rund, sondern im Bereich der Haupt- und Gegentribüne gerade ist, wurden die Ringe nach Innen verlegt und ,fliegen‘ über den Zuschauerrängen.“

Da das Stadion in einem seismisch aktiven Gebiet errichtet wurde, setzte man übrigens das Dach nicht direkt auf den aus acht Beton-Massivblöcken gebaute Stadionschüssel. Stattdessen schwimmt es auf Gleitpendellagern, die eine konkave Gleitplatte verwenden. So soll verhindert werden, dass sich die Kräfte eines möglichen Erdbebens von der Betonschüssel umgehend in die Dachkonstruktion ausweiten.

Mit dem neuen Stadion im Rücken und den damit erhofften Mehreinnahmen will Bursaspor sich nun langfristig einen Platz unter den Spitzenclubs der Süper Lig sichern und sich als dauerhafte Konkurrenz der großen Clubs aus Istanbul etablieren. (Stadionwelt, 07.12.2012)

1. Teil: Geburtsstunde des "grünen Krokodil"
Interview mit: Hasan Sözüneri, Architekt der Timsah Arena

Im dritten Teil der Serie spricht Hasan Sözüneri, Architekt der Timsah Arena über die architektonische Herausforderung der Krokodilform sowie die Erwartungen an die neuen, modernen Sportstätten in der Türkei.





        





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