16.08.2012 - Solna


Råsunda - Stadiongeschichte vor dem Abriss


Mit der Neuauflage des WM-Finales 1958 zwischen Schweden und Brasilien in Solna, direkt zwischen zwei Stockholmer Stadtteilen gelegen, kam es gestern zum Abschiedsspiel des Råsunda Fotbollstadions. Danach erfolgt der Abriss eines Stücks Stadiongeschichte.

Die Tage einer der ältesten und bekanntesten Sportstätten Schwedens sind damit gezählt. Wenn die neue Friends Arena am 27. Oktober eröffnet wird, bedeutet das gleichzeitig das Ende des 1937 eröffneten bisherigen Nationalstadions. Beide Stadien befinden sich in Solna, einer Gemeinde, die wie eingekeilt zwischen zwei Stadtteilen der Hauptstadt Stockholm am Nordufer des Mälarsees liegt.

Hauptnutzer war schwedische Erstligist AIK Solna, zudem trugen dort die „Tre Kronor“ den Großteil ihrer Heimspiele aus. Es befindet sich im Besitz des nationalen Fußballverbandes Svenska Fotballförbundet (SvFF). Die Friends Arena wird das Råsunda in diesen Funktionen ablösen.

Die noch bestehende Sportstätte wurde zwar 1937 eröffnet, aber bereits vorher befand sich an derselben Stelle ein Stadion, das aus dem Jahr 1910 stammte und 12.000 Zuschauern Platz bot. Während der Olympischen Sommerspiele 1912 in Stockholm war es Austragungsort einiger Fußballspiele und Wettbewerbe der Sportschützen. Der Nachfolger, das heutige Råsunda, hatte zu Beginn 40.000 Zuschauerplätze. Heute schwankt die Kapazität je nach Nutzung zwischen 35.000 und 36.608 Besuchern. Der Zuschauerrekord stammt aus dem Jahr 1965, als 52.943 Fans ein Länderspiel zwischen Schweden und Deutschland sahen.

Das Råsunda besteht seit je her aus vier einzelnen Tribünen, drei davon verfügen über zwei Zuschauerränge, nur die Westtribüne ist mit einem Rang etwas kleiner geraten. Die enge und steile Bauweise trägt einen entscheidenden Anteil zur guten Stimmung in der Spielstätte bei, vor allem bei den Stockholmer Derbys in der ersten schwedischen Liga, der Allsvenskan. Die UEFA hat das Råsunda zudem mit vier Sternen in die zweithöchste Kategorie aufgenommen.

Einen seiner Höhepunkte erlebte das nach einem Stadtteil von Solna benannte Stadion nach dem Zweiten Weltkrieg. Bei der Fußball-WM 1958 in Schweden ging dort der Stern eines damals 17-jährigen Brasilianers namens Edson Arantes do Nascimento auf. Mit seinen Fähigkeiten begeisterte er das Publikum, führte Brasilien im Finale gegen Schweden zum ersten Titel und ging unter dem Pseudonym Pelé als einer der besten Fußballer aller Zeiten in die Geschichte ein.

Im Sommer 1992, Schweden war Gastgeber der Europameisterschaft, erlebte das Råsunda Fotbollstadion ein weiteres großes Turnier. Drei Jahre später sorgte die Spielstätte sogar für ein bis dato einmaliges Ereignis im Weltfußball. Weil bei der zweiten Frauen-WM 1995 das Finale hier stattfand, war das Stadion das erste, das sowohl bei einer Endrunde der Männer als auch bei den Frauen Austragungsort des Finales sein konnte.

Nach der WM der Männer 1994 und der Frauen 1999 ist mittlerweile auch der Rose Bowl in Pasadena im Großraum Los Angeles zu dieser Ehre gekommen. Die deutsche Nationalmannschaft der Damen stand in Schweden zum ersten Mal im Endspiel, verlor aber gegen Norwegen. In der Saison 1997/98 fand in Solna zudem das vorletzte Finale des Europapokals der Pokalsieger statt. Auch in diesem Fall verlor eine deutsche Mannschaft. Der VfB Stuttgart unterlag Chelsea FC vor 30.000 Zuschauern mit 0:1.

Weitere Bilder des Råsunda Fotbollstadions finden Sie in dieser Galerie. (Stadionwelt, 16.08.2012)





        





Kommentar schreiben

Name:


Kommentar:


Kommentar-Regeln


Kommentare:

Danielm am 27.08.2012, 09:23 Uhr

@Max: \"total übertrieben\" ist richtig, aber so ist das nun mal bei AIK. Man meint, man sei was besseres. Bisschen wie Real Madrid... :-)

Generell finde ich es gut, dass im Moment in Schweden einige neue Stadien entstehen; Kalmar z.B. hat seinen Zuschauerschnitt im Jahr nach dem Umzug etwa verdoppelt. Das kann den schwedischen Fussball einen Schritt voran bringen. Es kann aber auch die Lücke zu Dorfvereinen grösser werden lassen, denn noch ist man hier stolz, dass es ein Verein wie Mjällby, Ljungskile oder Brommapojkarna bis in die 1. Liga schaffen kann. Das wird in Zukunft wohl schwerer. Andererseits sind die (Stadion-)Zustände in der 2. Liga teils unter aller, bisschen Druck zur Modernisierung wäre da gar nicht mal falsch.


frfxcv am 26.08.2012, 22:05 Uhr

Landslaget ist kein Spitzname, sondern nur das schwedische Wort für Nationalmannschaft. Die schwedische Fußballnationalmannschaft hat Blågult (Blau und Gelb) als Spitzname, die deutschen Medien benutzen meist aber lieber Tre Kronor.


@ Florian am 25.08.2012, 15:10 Uhr

Richtig ist, dass Tre Kronor der Spitzname des Eishockeyteams ist.
\"Landslaget\" ist aber kein Spitzname, sondern schlicht und ergreifend das Schwedische Wort für \"Nationalmannschaft\".
Der Spitzname für die schwedische Herrenfußballnationalmannschaft ist \"blågult\"!


Oldschool am 25.08.2012, 00:51 Uhr

Werd ich wohl nicht schaffen aber danke für den Hinweis.


vorstopper am 24.08.2012, 18:41 Uhr

und auch das finale 92 fand nicht in dem stadion statt, sondern in göteborg


Florian am 24.08.2012, 15:18 Uhr

Die schwedische Fussball-Nationalmannschaft heißt nicht umgangsprachlich Tre Kronor sondern \'Landslaget\'.

Die schwed. Eishockeynationalmannschaft wird Tre Kronor genannt!


Max am 23.08.2012, 16:53 Uhr

Total Übertrieben das AIK jetzt in die Friends Arena ziehen soll. Selbst die Derbys gegen Djurgården sind ja nicht mal ausverkauft. Vor 3 Wochen hab ich sie in der EL gesehen und da kamen nur knapp 11.000.


Daniel am 20.08.2012, 09:27 Uhr

@Oldschool: Wenn Du noch schnell hinfliegst schaffst Du\'s noch, AIK spielt noch die letzten Spiele dieser Saison (auch Europa League) im Råsunda. Das Spiel gegen Brasilien war nur das letzte Länderspiel.


Marco am 18.08.2012, 17:48 Uhr

Laut der AIK-Homepage spielt die Mannschaft noch bis Ende des Jahres im Råsunda. Mit etwas Glueck könnten wir das Stadion noch in der Europa-League sehen.


Oldschool am 18.08.2012, 00:40 Uhr

Echt schade, dieses Stadion wollte ich mal besuchen, aber naja.. R.i.P