12.08.2008 - Hannover


„Die Finanzierung stellt allein der Fußball sicher“


Thorsten Meier
Thorsten Meier
Das Niedersachsenstadion war ein klassisches Nachkriegsstadion, mit dem Fokus auf Fußball. Mit dem Nachfolger AWD-Arena hat Hannover den Sprung ins 21. Jahrhundert bewältigt. Marketingleiter Thorsten Meier beschreibt im Interview den Alltag eines modernen Fußballstadions.

Stadionwelt: Herr Meier, bitte skizzieren Sie die Rolle der AWD-Arena als Sport- und Veranstaltungsstätte im nationalen und internationalen Vergleich.

Meier: Generell hat sich zu den Zeiten des Niedersachsenstadions natürlich einiges geändert. In der AWD-Arena finden heute regelmäßig Konzerte und Sportveranstaltungen abseits des Fußballs statt. So zuletzt die Rugby-Europameisterschaft, die in zwei Tagen immerhin 26.000 Besucher anlockte. Wie in vielen anderen modernen Stadien in Deutschland, nimmt auch bei uns der so genannte Meeting- und Convention-Bereich eine wichtige Rolle ein.

Stadionwelt: Wie wichtig sind diese Veranstaltungen?

Meier: Sie besitzen bei uns einen großen Stellenwert. Man muss bedenken, dass Hannover ein bedeutender Messestandort ist, somit stets internationales Publikum in der Stadt verkehrt. Nicht zuletzt dadurch finden in der Arena regelmäßig große Veranstaltungen statt. Natürlich wollen wir uns als Standort mit Großevents präsentieren. Dazu zählen auch Firmenveranstaltungen. Demzufolge besitzen wir diesbezüglich eine hervorragende Infrastruktur, beispielsweise was das Catering und die Haustechnik anbetrifft. Alle Arten von Veranstaltungen finden bei uns statt, ob mit 30 oder mit 1.500 Teilnehmern.

Stadionwelt: Sind Business-Veranstaltungen Teil des Finanzierungskonzepts?

Meier: Sie sind Teil des Gesamtkonzepts, die Finanzierung jedoch stellt allein der Fußball sicher, der Rest ist Bonusgeschäft. In Hannover gibt es mehrere hervorragende Veranstaltungsstätten, alles was jedoch mehr als 14.000 Zuschauer anzieht kommt zu uns. Auch darauf sind wir ausgerichtet, so konnten wir in den vergangenen Jahren internationale Größen wie Genesis, Madonna, die Rolling Stones oder Herbert Grönemeyer bei uns begrüßen.

Stadionwelt: Die WM 2006 ist zwei Jahre her. Können Sie seither eine gesteigerte Bekanntheit der Arena ausmachen? Beispielsweise durch mehr Firmenveranstaltungen?

Meier: Festzustellen ist, dass der Zuschauerschnitt von Hannover 96 seit der WM um 2.000 gestiegen ist. Das kann man aber sicher nicht nur an der WM festmachen. Die WM hat ohne Frage zu einem gesteigerten Bekanntheitsgrad beigetragen. Viele Menschen in Deutschland kannten die AWD-Arena vor der WM vielleicht nicht, heute wissen sie, wo sie steht und wie groß sie ist. In Sachen Drittveranstaltungen registrieren wir in diesem Jahr mehr Anfragen, die nichts mit der Messe zu tun haben. Das kann man an der WM festmachen, da die Arena durch das Turnier sicherlich einen höheren Stellenwert erreicht hat.

Stadionwelt: Dass die AWD-Arena sehr verkehrsgünstig gelegen ist, bedeutet sicherlich auch einen eminenten Vorteil.

Meier: Klar, der hervorragende Standort ist Teil unserer Vermarktung. Mehrere Hotels sind fußläufig zu erreichen, genauso die Innenstadt mit dem Hauptbahnhof. Parkplätze sind zuhauf vorhanden, mit dem Auto braucht man nur fünf Minuten von der Messe zur Arena. Spätestens seit der Expo im Jahr 2000 verfügt Hannover über eine hervorragende Verkehrsinfrastruktur, von der wir selbstverständlich auch profitieren. Das berühmte Schützenfest sowie das Maschseefest, die beide unmittelbar nebenan stattfinden, steigern unsere Bekanntheit zusätzlich.

Stadionwelt: Weniger vorteilhaft ist die Lage der Business-Seats, die – speziell im Sommer – der Sonneneinstrahlung weitgehend schutzlos ausgesetzt sind.

Meier: Vom alten Niedersachsenstadion blieb nach dem Umbau in ein reines Fußballstadion lediglich die Westtribüne stehen, diese ließ sich aufgrund der baulichen und finanziellen Gegebenheiten nicht umbauen. Aus diesem Grund wurden die VIP-Bereiche samt der erwähnten Business-Seats auf der Ostseite eingerichtet. Bautechnisch gab es für uns keine andere Möglichkeit. Wir sind das Thema sozusagen andersherum angegangen, haben versucht aus der Not eine Tugend zu machen, indem wir bei starker Sonneneinstrahlung Abhilfe schaffende Marketingartikel zum Vorzugspreis anbieten. Der Business-Bereich wurde so gestaltet, dass sich die Besucher hinter Glaswände zurückziehen und weiterhin einen ungetrübten Blick auf das Spielfeld genießen können.

Stadionwelt: Während die Sonneneinstrahlung für manch Besucher zum Ärgernis werden könnte, ist sie – auch dank der gelungenen Dachkonstruktion – für den Rasen ein Segen.

Meier: Eine so genannte ETFE-Folie ermöglicht dem Dach hohe Lichtdurchlässigkeit. Hinzu kommen die nach außen hin offenen Unterränge, die es dem Wind ermöglichen, über den Rasen zu ziehen. Die Kombination aus Licht- und Luftzufuhr lässt es zu, den Rasen sehr selten auszutauschen. Nur nach Konzerten, wenn der Rasen wirklich völlig zerstört ist, muss getauscht werden.

Stadionwelt: Ebenfalls bewährt hat sich das bargeldlose Bezahlsystem, auf das die AWD-Arena als eines der ersten deutschen Stadien gesetzt hat.

Meier: E-Payment hat sich nach einem gewissen Gewöhnungsprozess definitiv sehr bewährt. Alle Beteiligten haben erkannt, dass die Bezahlvorgänge an den Kiosken schneller ablaufen und die Absätze stabiler sind. Die ganze Thematik liegt dabei in der Hand von Hannover 96. Weiterer Vorzug ist die Möglichkeit, die Dauerkarte mit der Bezahlkarte zu kombinieren, was ebenfalls gut angenommen wird.

Stadionwelt: In Hamburg wurde vor einem Jahr das Namensrecht am Fußballstadion neu vergeben. Wie ist die Situation in Hannover?

Meier: Der Vertrag mit AWD wurde verlängert, Veränderungen stehen nicht an. Wir haben mit AWD eine enge Zusammenarbeit, eine Partnerschaft, die sehr sehr gut funktioniert. Auch hat sich der Name AWD-Arena weithin eingeprägt, da er einfach und leicht zu merken ist. (Stadionwelt/Pascal Reichardt, 12.08.08)





        





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