28.07.2012 - Italien


„Das Juventus Stadium war ein Wegbereiter“


Im Jahr 2011 hat Juventus FC sein neues Juventus Stadium in Turin eröffnet. Das Projekt gilt als Wendepunkt in der Stadionlandschaft Italiens. Stadionwelt hat sich darüber und über die Arbeit als Architekt im Allgemeinen mit Gino Zavanella von GAU Arena unterhalten.

Stadionwelt: Welche sind die bedeutendsten Stadion- und Arenaprojekte in der Geschichte Ihres Unternehmens? Auf welche Projekte sind Sie besonders stolz?

Zavanella: In meiner Karriere habe ich an vielen wichtigen Sportstätten gearbeitet, von dem Stadio Euganeo in Padova bis zur Sportstadt Sportilia, aber sicher ist das 2011 eröffnete Juventus Stadium das bedeutsamste Projekt und dasjenige, auf das ich stolzesten bin. Vor allem deswegen, weil wir ein Stadion für Jedermann geschaffen haben, ohne Barrieren und Sichthindernisse, einen Ort, um den Sport zu sehen und ihn sieben Tage die Woche zu leben. Die Zuschauer sind nur 7,50 Meter vom Spielfeld entfernt. Für den italienischen Fußball ist das Stadion sicher ein großer Schritt nach vorne der hoffentlich zu einer Art Wiedergeburt aller Sportstätten im Land führt.

Stadionwelt: Gibt es neue Projekte, an denen Sie gerade arbeiten?

Zavanella: In den letzten Monaten haben wir an vielen Ausschreibungen für neue Stadien im Irak teilgenommen. Diese sind zwischen 20.000 und 30.000 Zuschauer groß und unterscheiden sich stark voneinander: Manche sind von ihrem Design her tief in der Geschichte des Landes verwurzelt, manche haben futuristische und fließende Formen. Der Irak hofft, gerade durch den Sport, wieder nach vorne zu kommen, und der Bau der neuen Sportstätten soll ein starkes Symbol für ein Land mit einer langen Geschichte sein, das auf seine Wiedergeburt hinarbeitet.

Stadionwelt: Gibt es einen bestimmen Modus Operandi, nach dem Sie in der Entwicklung neuer Sportstätten vorgehen? Gehen Sie dabei nach einem bestimmten Schema in der Entwicklung neuer Ideen vor?

Zavanella: Der Modus Operandi ist grundsätzlich immer gleich und möglichst einfach: Ein Arbeitstisch, mehrere leere Blätter Papier, ein Bleistift, eine erste Skizze. Auch wenn ich letztendlich immer mit dem Bleistift arbeite, brauche ich Zeit, die Idee reifen zu lassen, indem ich tausende von Projekten und Vorschlägen ansehe. Die besten Ideen habe ich bei Morgenspaziergängen. Ich ziehe es vor, quasi im Gehen zu designen, denn dabei sehe ich die Dinge, oder stelle mir vor, sie zu sehen. Konkret stelle ich mir dann die Räumlichkeit des Objekts vor, nicht den genauen Plan, ich sehe die Dinge dabei in drei Dimensionen. Anschließend übertrage ich die Visionen aus meinem Kopf auf das Papier, zunächst noch in einer ungefähren Version. Daraus entwickelt sich dann das ganze Projekt.

Stadionwelt: Glauben Sie, dass sich die italienische Stadionlandschaft in den kommenden Jahren tief greifenden Veränderungen unterziehen wird?

Zavanella: Ich hoffe und wünsche das. Das Juventus Stadium war ein Wegbereiter, hat sogar für Unruhe gesorgt und eine Art Schock für den Wandel ausgelöst. Dieser ist aber auch zwingend notwendig, weil 95 Prozent aller italienischen Sportstätten veraltet sind und nicht mehr den internationalen Standards entsprechen. Leider haben wir mehrere Jahre auf das berühmte Gesetz für neue Stadien gewartet. Vor einigen Tagen hat es endlich die Abgeordnetenkammer passiert und wir hoffen, dass es schnell rechtskräftig wird. Durch die Vereinfachung und Beschleunigung von behördlichen Vorgängen soll dadurch der Bau neuer und die Renovierung bestehender Sportstätten hinsichtlich der Kriterien Sicherheit, Nutzbarkeit und Profitabilität deutlich vereinfacht werden. Das entscheidende dabei ist, dass die neuen Sportstätten sich im Besitz ihrer Betreibergesellschaften befinden müssen, also alles unter einem Dach ist. Daher müssen sie sich auch selbst tragen und aus diesem Grund auch den Fans mehr Service anbieten. Wir kommen dabei immer zum Hauptkonzept zurück: Das Fan steht im Zentrum des Stadionprojekts. Sowohl in Italien als auch weltweit sollte das erste Ziel eines Stadions nur das sein: Die Fans ins Stadion zu bringen und sie glücklich zu machen. (Stadionwelt, 28.07.2012)





        





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