14.05.2010 - Europapokal


CL-Finale 2010 im Estadio Santiago Bernabéu


Am 22. Mai 2010 findet das Endspiel der Champions League im Estadio Santiago Bernabéu in Madrid statt. Aus diesem Grund hat sich Stadionwelt genauer mit dem Stadion befasst und alles Wissenswerte über die Heimat der „Königlichen“ zusammengefasst.

Europas drittgrößtes reines Fußballstadion ist auf den ersten Blick kleiner, als man anhand der Zuschauerkapazität von circa 80.000 erahnen könnte. Das liegt daran, dass das Spielfeld im Norden der spanischen Hauptstadt am Paseo della Castellana, einer der Hauptverkehrsachsen, zwischen die Häuser gequetscht und nicht auf Straßenniveau, sondern ins Souterrain verfrachtet wurde. Somit kann man den imposanten Eindruck nur im Inneren des Stadions genießen.

Die Geschichte des Stadions beginnt mit dem Wunsch des ehemaligen Präsidenten von Real Madrid, Santiago Bernabéu, zu dessen Ehren das Stadion später umbenannt wurde, ein Stadion zu errichten, das immer wieder den Bedürfnissen seines Vereins angepasst werden könnte. Im Jahr 1944 kaufte Real das angedachte Grundstück und begann mit dem Bau eines für damalige Verhältnisse vollkommen neuartigem Stadion, das auf zwei Rängen 75.342 Zuschauer fasste. Dem damaligen Präsidenten dankte der Verein 1955 mit einer besonderen Geste: Seit einem halben Jahrhundert trägt das Stadion den Namen des Visionärs.

Erstmals 1953 und wiederholt in den Folgejahren machte Real von der Möglichkeit eines Umbaus Gebrauch, was zu ständig schwankenden Zuschauerkapazitäten führte. Ab 1954 fasste das Stadion sogar 120.000 Zuschauer, aber aufgrund von Renovierungen und Komfortverbesserungen bietet der „All-Seater“ derzeit 80.000 Personen einen Sitzplatz. Die letzten Umbauten der letzten beiden Jahrzehnte orientierten sich an der Vorgabe der Qualität anstelle der Quantität. So reklamierte der Verein vor Jahren für sich, „das einzige 9-Sterne-Stadion der Welt“ zu besitzen. Die UEFA jedoch interessierte sich wenig für diese Selbsteinschätzung. Seit dem Finale des Europapokals der Landesmeister 1980 – der Hamburger SV unterlag Nottingham Forest mit 0:1 – vergab der europäische Fußballverband kein großes Spiel mehr in den Norden der spanischen Hauptstadt.

Durch Erneuerungen wie Restaurants, Fanshops und täglichen Stadionrundgängen wurde das Stadion zu einer täglich nutzbaren, profitablen Veranstaltungsstätte. 1.500 bis 2.000 Touristen folgen täglich dem vorgegeben Weg, der sich zwischen den blauen Sitzschalen des Unterrangs hindurchschlängelt, den Ehrengast- und Pressebereich, die Gästekabine und das Vereinsmuseum passiert und natürlich im Real-Megastore endet.

Außergewöhnlich sind die extrem steilen Tribünen des Stadions. Durch das Überlappen der oberen Tribünen über die darunter liegenden Plätze, konnten viele Quadratmeter des teuren Madrider Baugrunds gleich mehrfach genutzt werden. Als weitere Besonderheit offenbart sich beim Blick auf den Oberrang des Estadio Santiago Bernabéu die Tatsache, dass jeder Raum, jede Lücke in den Tribünen, jeder Quadratmeter mit Blick auf das Spielfeld inzwischen in VIP-Logen umfunktioniert wurde. Nur die Haupttribüne, in den meisten anderen Stadien der Bereich mit der höchsten Dichte an VIP-Logen, bietet kaum Platz für die exklusiven Separees. Die wenigen jedoch haben es in sich, so der „Palco Presidencial“, die Ehrenloge, und die eigenen Räumlichkeiten des spanischen Königs.

Aufgrund der beengten Situation inmitten der Hauptstadt musste ein ungewöhnliches Zutrittssystem entwickelt werden. Die 60 Eingänge des Stadions reichen bis auf die Straße, wo man sich bereits die passende „Puerta“ suchen muss, denn nur die entsprechende elektronische Zugangskontrolle gestattet dem Zuschauer den Durchgang ins Stadion. Jenseits der Drehkreuze herrscht ein System der kurzen Wege; oft sind es nur wenige Meter von der Straße in den Block. Als am 12. Dezember 2004 beim Spiel gegen San Sebastian eine Bombendrohung einging, konnten sämtliche 75.000 Besucher binnen nur sechs Minuten evakuiert werden.

Eines der kuriosesten Ereignisse im Estadio Santiago Bernabéu war ohne Frage der Vorfall im Halbfinale der Champions League 1997/98 beim 2:0 gegen den damaligen Titelträger Borussia Dortmund, als ein einknickender Zaun das an ihm befestigte Tornetz und damit das gesamte Tor umriss. Zahlreiche Versuche das Tor wieder aufzurichten misslangen, sodass ein Tor aus einem nahe gelegenen Stadion angeliefert werden musste, bevor das Spiel mit 76-minütiger Verspätung angepfiffen werden konnte.

Als Ausrichtungsstätte des Endspiels des Europapokals der Landesmeister (Vorgängercup der Champions League) diente das Estadio Santiago Bernabéu bereits in den Jahren 1957, 1969 und 1980. Neben diesen Partien diente das Stadion als Finalort der Europameisterschaft 1964, als sich Spanien den Titel im eigenen Land durch ein 2:1 gegen die Sowjetunion sichern konnte.

Bei der WM 1982 in Spanien wurde das Endspiel zwischen Italien und Deutschland ebenfalls im Estadio Santiago Bernabéu ausgetragen. Sieger waren damals die Italiener durch ein 3:1. Seitdem erfolgte lange Zeit keine Vergabe eines großen internationalen Finals ins Madrider Santiago Bernabéu, weil das Stadion erst im November 2007 die Klassifikation zu einem 5-Sterne-Stadion erlangte. Diese Auszeichnung gilt als Voraussetzung, um ein solches Spiel austragen zu dürfen. Neben den unzähligen geschichtsträchtigen Fußballmomenten finden auch andere denkwürdige Ereignisse im Estadio Santiago Bernabéu statt. So zum Beispiel der Zieleinlauf der letzten Etappe der spanischen Radrundfahrt Vuelta zu Ehren des 100-jährigen Geburtstags des Vereins.

Durch den 2:0 Sieg im Olympiastadion Roms sicherte sich der FC Barcelona den Championsleague-Titel der Saison 2008/2009. Durch die Tore von Samuel Eto’o und Messi, dem Weltfußballer des Jahres 2009, kamen die Katalanen zu einem ungefährdeten Sieg. Damit durfte „Barca“ zum dritten Mal nach 1992 und 2006 den Champions-League-Sieg bejubeln. In dieser Champions League Saison haben es die Katalanen erneut bis ins Halbfinale geschafft, sind aber dort an Inter Mailand gescheitert. Damit hat es Barcelona verpasst, als erste Mannschaft seit Bestehen der Champions League 1992, den Titel zu verteidigen. Der zweite Finalteilnehmer ist der FC Bayern München, der damit das erste Mal seit 2001, als der Verein den Titel gewinnen konnte, im Finale steht.

Daten und Fakten:

Kapazität : 80.354 Plätze

Rekordbesuch: 124.000 Zuschauer (30. Mai 1957, Finale im Europapokal der Landesmeister; Real - AC Florenz 2:0)

Baubeginn : 27. Oktober 1944

Eröffnung : 14. Dezember 1947 als Estadio Chamartín

1955 : Umbenennung in Estadio Santiago Bernabéu

Kapazitäten/Umbauten:

1947 : 75.342 Plätze auf zwei Rängen (Ausnahme: Die niedrige einrangige Haupttribüne im Osten)

1953/54: Vergrößerung der Haupttribüne, Ausweitung der Stehplatzbereiche (120.000 Plätze)

1981/82: Überdachung aller Tribünen außer Ost, Umzug der Haupttribüne von Ost nach West; Reduzierung der Stehplätze (90.000)

1990 - 92: Bau eines dritten Rangs auf allen Tribünen außer Ost (106.500)

1998 : Umwandlung aller Stehplätze in Sitzplätze (77.500)

2002/03 : Rückkehr der Haupttribüne auf die erweiterte und überdachte Ostseite (80.354)

Zur Bildergalerie des Estadio Santiago Bernabéu gelangen Sie hier. (Stadionwelt, 14.05.2010)





        





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