09.04.2012 - Euro 2012


„Auch vor der WM 2010 gab es viele Befürchtungen“


Stadionwelt: Anderes Land, andere Sitten – Ihr konntet euch bereits ein Bild von dem Gastgeberland machen? Worauf sollte man generell achten, wenn man in der Ukraine ist und welche Unterschiede gibt es zu Polen?

Gabriel: Auch vor der WM 2010 gab es viele Befürchtungen. Die, die mutig waren hinzufahren, wurden letztendlich belohnt. Südafrika war sicher, gastfreundlich und faszinierend. Ich bin zuversichtlich, dass es mit der Ukraine ähnlich verlaufen wird. Die Temperaturen werden zum Glück höher sein als in Südafrika, in dem zur Zeit des Turniers Winter war.

Das größte Problem in der Ukraine könnte die Orientierung sein, da nur wenige Schilder zweisprachig gehalten sind. Alle Geschäfte und Auslagen sind in Kyrillisch. In Bezug auf die Unterkunftssituation sieht es meines Erachtens nicht so schlecht aus, wie hier berichtet wird. Es werden ausreichend Betten zur Verfügung stehen, man wird aber seine Ansprüche etwas nach unten schrauben müssen. Es ist halt kein reiches Land und auch touristisch nicht so erschlossen wie Südafrika. Zudem sind unsere gewohnten Fremdsprachen nicht so verbreitet, wobei man mit jüngeren Leuten etwas besser auf Englisch kommunizieren kann. Wer Russisch kann, ist auf der sicheren Seite. Die Kommunikation ist in Polen etwas leichter, da das Land eher westlich orientiert ist. Ich habe grundsätzlich das Gefühl, dass beide Länder und ihre Menschen stolz darauf sind, Gastgeber der EURO zu sein. Die Freude darauf, Gäste aus ganz Europa zu empfangen, ist spürbar. Zudem sind alle Stadien bereits fertiggestellt. Die Europameisterschaft kann eigentlich losgehen.

Stadionwelt: Können Sie uns etwas zu den deutschen Spielorten der Vorrunde - Lwiw und Charkiw - sagen?

Gabriel: Die Stadt Lwiw bietet alles, worauf man sich als Fußballfan freuen kann. Lwiw ist eine historisch ungemein interessante Stadt, die mich vom Äußeren an das „alte Wien“ erinnert. Die touristische Infrastruktur ist hier ziemlich gut ausgebaut, auch kulturell gibt es viel zu sehen. In der Innenstadt findet man zahlreiche Gaststätten. An Spieltagen wird es einen Shuttle-Bus-Service zu dem Stadion, das etwas außerhalb der Stadt liegt, geben.

Die zweitgrößte Stadt der Ukraine, Charkiw, ist im Gegensatz zu Lwiw touristisch nicht so erschlossen. Charkiw gilt als Studentenstadt, daher ist die Bevölkerung recht jung. Charkiw ist schon so, wie man sich gemeinhin große Städte im „Ostblock“ vorgestellt hat. Uns hat es auch in Charkiw gut gefallen, aber man muss auch bereit sein, sich auf die Stadt einzulassen. Im Zentrum gibt es einen riesigen Platz, an den ein großer Park angrenzt. Hier wird sich während der EURO wahrscheinlich das Meiste abspielen. In beiden Städten sind wir sehr gastfreundlich behandelt worden.

Stadionwelt: Die Ukraine gilt als kein typisches Touristenziel. Könnte es für einige Fans Schwierigkeiten geben, eine Unterkunft zu finden?

Gabriel: Die Gesamtsituation über die Bettenkapazitäten ist derzeit noch nicht einschätzbar. Vor allem in der Ukraine wurde aber sehr sensibel auf die Berichterstattung in den hiesigen Medien reagiert. Daher bin ich sehr zuversichtlich, dass für jedes Problem eine Lösung zu finden sein wird.

Die UEFA hat bereits eine eigene Website ins Leben gerufen. Auf www.accom2012.com findet man Unterkünfte aller Kategorien. Diese sind zwar schon etwas teurer als sie normalerweise wären, dafür bietet die Seite aber einen weitreichenden Überblick über Unterkünfte in der Ukraine.

Stadionwelt: Vor vielen Fußballfans liegen lange Reisen. Die Austragungsorte Charkiw und Lwiw liegen rund 1.000 Kilometer voneinander entfernt. Wie bewerten Sie die Verkehrsinfrastruktur in der Ukraine?

Gabriel: Naheliegend ist es zu fliegen, da sowohl Charkiw als auch Lwiw über einen internationalen Flughafen verfügen. In beiden Flughäfen, sowohl in Lwiw als auch in Charkiw wurden für die EURO neue Terminals errichtet. Neben den Fliegern werden sich wahrscheinlich auch einige Fans mit Autos und Wohnmobilen auf den Weg machen. Auch, wenn nicht jede Autovermietung in die Ukraine vermietet, ist dies eine mögliche Alternative.

Wenn man sich in der Ukraine auf die Reise macht, sollte man ein gewisses Maß an Flexibilität und Lust am Ungewissen mitbringen. Mit Hilfe der ukrainischen Hilfsbereitschaft wird man kleinere Probleme bestimmt lösen können. Zwei meiner Kollegen waren vor kurzem mit dem Auto nach Kiew unterwegs. Man fährt nicht ständig auf vierspurigen Autobahnen, aber es ist wirklich machbar. An der Grenze wurden sie in einer Viertelstunde abgefertigt, nachdem er die Europameisterschaft als Grund seiner Einreise nannte. Da die Ukraine nicht in der EU ist, dauern Grenzkontrollen sonst deutlich länger. Ziemlich sicher wird es bei der EM eine spezielle, deutlich schnellere Abfertigung an der Grenze geben.

Weiter zum dritten Teil des Interviews





        





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