14.05.2005 - München


Der FC Bayern nimmt Abschied vom Olympiastadion


Mit dem heutigen Bundesligaspiel gegen den 1. FC Nürnberg geht im Münchner Olympiastadion eine erfolgreiche Ära für den FC Bayern München zu Ende. In den 33 Jahren seit dem ersten Spiel, das am letzten Spieltag der Saison 1971/72 gegen den FC Schalke 04 stattfand und dem deutschen Rekordmeister gleich den ersten Meistertitel im neuen Stadion bescherte, konnten die Münchner insgesamt 17 mal die Meisterschaft gewinnen und damit eine Ausnahmestellung im deutschen Fußball erlangen.

So verwundert es nicht, das Bayern-Manager Uli Hoeneß sagt: „Das Olympiastadion ist ganz eng mit dem Aufstieg des FC Bayern verbunden, hier erst sind wir in den Blickpunkt Europas und der Welt gerückt.“ Oliver Kahn äußerte sich emotional vor der Partie: „Hier habe ich großartige Dinge erlebt. Da ist es schon ein bisschen traurig, wenn man dieses Stadion verlassen muss.“

Neben dem FC Bayern feierte auch die deutsche Nationalmannschaft mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1974 einen ihrer größten Triumphe in der Arena, die auch Austragungsort des EM-Endspiels 1988 war und vier Europapokalendspiele sowie die Leichtathletik-EM 2002 beherbergte.

Trotz all der Erfolge war das für die olympischen Spiele 1972 erbaute Laufbahnstadion, bei den Fußballspielern und Fußballfans nie wirklich geliebt, da durch die große Entfernung zwischen Spielfeld und Rängen nur selten eine stimmungsvolle Atmosphäre aufkam und das Stadion im Winter gerne auch als „Gefrierschrank“ bezeichnet wurde. Auch klagte Hoeneß früher oft, dass man mit einem reinen Fußballstadion wie in Dortmund oder Kaiserslautern den einen oder anderen Punkt mehr am Ende einer Saison auf dem Konto haben könnte.

Noch ungeliebter war das weite Rund bei den Anhängern des TSV 1860 München, die ihre Heimat auf Giesings Höhen zu jeder Zeit vorzogen. Jedoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass eben diese Fans für den Zuschauerrekord im Olympiastadion sorgten. Dieser wurde kurioserweise nicht beim WM-Endspiel oder einem der Europokalendspiele aufgestellt, sondern am 15. August 1973, als die Löwen in der Regionalliga Süd (damals die 2. Liga) den FC Augsburg mit dem Italien-Rückkehrer Helmut Haller empfingen. Mehrere tausend Zuschauer überkletterten nach einem frühen Tor der Blauen die Umzäunung des bereits mit 80.000 Zuschauern ausverkauften Stadions und sorgten somit für eine nie wieder gesehene Kulisse, die niemand genau beziffern konnte. Die Schätzungen an diesem Tag reichten von 85.000 bis zu 100.000 Besuchern.

Neben einem weinendem Auge über das letzte Fußballspiel in dem von Günter Behnisch entworfenen Bauwerk wird es bei den Offiziellen und den Fans auch ein lachendes Auge geben, das in die Zukunft in der nicht einmal sieben Kilometer nördlich gelegenen Allianz Arena blickt.

In einem ausführlichen Porträt, unter anderem mit Bildern der Entstehung, wurde das Olympiastadion in Ausgabe 6 des Stadionweltmagazins vorgestellt.

Der Artikel kann hier online bestellt werden.

Von Ausgabe 6 sind zudem noch Restexemplare erhältlich. Diese können hier bestellt werden.

Passend zum Abschied ist auch das Buch Olympiastadion München - Fußball-Geschichte unter dem Zeltdach erschienen. (Stadionwelt, 14.05.2005)





        





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