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SG Dynamo Dresden / Rudolf-Harbig-Stadion

Der Umbau des Rudolf-Harbig-Stadions begann im November 2007 mit dem Abriss der Hornbach-Tribüne, also der Gegengerade. Zum Zeitpunkt des Abrisses lag noch keine Genehmigung für den Stadionneubau vor, selbige erfolgte jedoch kurz vor Weihnachten 2007. Während des Neubaus im laufenden Betrieb ist die Zuschauerkapazität begrenzt. Ende September 2008 begann die Montage des Dachtragwerks auf dem bereits teilweise fertig gestellten Rohbau. Der Neubau soll im Herbst 2009 abgeschlossen sein, dann wird das Stadion 32.400 Zuschauer fassen. Kostenpunkt: 43Millionen Euro.

Dem Baubeginn ging ein schier endloses politisches Tauziehen voraus:

Ende Juli 2006 beschloss der Dresdner Stadtrat mit 44 zu 21 Stimmen den Neubau des Rudolf-Harbig-Stadions. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Beyer + Partner aus Rostock.

Am 4. Oktober 2006 folgte für Stadt und Verein dann der große Rückschlag. Das Regierungspräsidium Dresden genehmigte eine 40 Millionen Euro Kreditbürgschaft der Stadt für den Generalunternehmer HBM nicht. Das Regierungspräsidium begründete seine Ablehnung damit, dass der Stadt durch die Vereinbarung erhebliche langfristige Kosten und Risiken entstünden. Nachdem Dynamo Dresden zwischendurch eine Lizenzverweigerung durch den DFB fürchtete und zahlreiche Demonstrationen für den Neubau stattfanden, näherten sich Stadt und Regierungspräsidium im Februar einander an. Das RP genehmigte die Bürgschaft unter Auflagen.

Dennoch war zu diesem Zeitpunkt der Bau noch nicht in trockenen Tüchern. Zunächst wollte der unterlegene Bieter Hochtief die Entscheidung der Stadt juristisch anfechten, zog seine Klage jedoch im Sinne der Sache zurück. Direkt nach diesem Rückzug sorgte ausgerechnet die HBM GmbH für Aufsehen, die aufgrund gestiegener Baukosten eine Erhöhung der städtischen Bürgschaft um zwei Millionen Euro forderte. Letzten Endes blieb es dann aber bei den vom RP abgesegneten Rahmenbedingungen, konnte Anfang Mai 2007 mit einer Vertragsunterschrift durch den Dresdner Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann und den HBM-Geschäftsführer Axel Eichholz ein Schlussstrich unter die monatelangen Diskussionen gezogen werden.

Im September 2008 erhielt Dresden mit dem Neubau den Zuschlag für Frauenfußball-WM 2011. Zwei Monate später wurde bekannt, dass der Neubau rund 4,8 Millionen Euro teurer wird als geplant. Da die Stadt allerdings die 43 Millionen Euro als Festpreis im Vertrag festgelegt hat, ist noch unklar, wer für die Mehrkosten aufkommen soll.

Im neuen Jahr 2009 entbrannte dann ein heftiger Streit um den Stadionvermakrtungsvertrag, der zwischen dem Verein, dem Sportrechtevermarkte Sportfive und HBM geschlossen wurde. Dieser sah vor, dass Sportfive für 13 Jahre sämtliche Rechte erhält und Dynamo im Gegenzug beispielsweise 50 Prozent der Zuschauereinnahmen. Zu beginn stimmte die Stadt dem Vertrag noch zu. Ohne diesen hätte Dynamo der Lizenzentzug gedroht. Doch Ende Februar waren die Papiere noch immer nicht unterschrieben. Im Rahmen einer Verhandlungsrunde forderte HBM die Stadt dazu auf, für weitere Mehrkosten in Höhe von 2,8 Millionen Euro zu bürgen, was diese ablehnte. Das Unternehmen begründete den erneuten Kostenanstieg unter anderem mit einem größeren Bau der Fankneipe an anderer Stelle und kündigte an, den Vertrag ohne die Bürgschaft nicht unterschreiben zu wollen.

Als Ersatzspielort für die SG Dynamo wurde schnell das Leipziger Zentralstadion ins Gespräch gebracht. Anfang März wurde dieses Szenario mit einem Mal sehr wahrscheinlich, denn nach einer erneuten Sitzung der beteiligten Partein ließ die Stadt den Vermarktungsvertrag vorläufig platzen. Zuvor hatte HBM der Stadt angeboten, auf die Bürgschaft zu verzichten, wenn Dynamo im Gegenzug die geforderte Summe sieben Jahre lang in Raten abzahle. Zwei Tage später teilte HBM mit, dass von einer Bürgschaft in Höhe von 2,6 Millionen Euro nie die Rede gewesen sei, vielmehr sei es um die Hälfte dieser Summe gegangen. Der Vereine könne mit den Ratenzahlungen auch erst 2011 beginnen, und nicht unverzüglich, wie es ursprünglich geheißen hatte. Mitte März konnte ein Kompromiss ausgehandelt werden, dem der Verein jedoch nicht zustimmte. Dynamo wären demnach nur noch 1,4 statt 2,5 Millionen Euro aus den Stadioneinnahmen geblieben. Daraufhin brach ein Streit zwischen dem Drittligisten und der Stadt aus, eine Einigung rückte wieder in weite Ferne.

Ende März kam es aber zu einer Wende: in einem gemeinsamen, neunstündigen Gipfeltreffen handelten die Stadt, der Verein und der Bauunternehmer einen Kompromiss aus, der es Dynamo ermöglichte, auch in der kommenden Saison im Rudolf-Harbig-Stadion zu spielen. Über die Einzelheiten wurde aber Stillschweigen vereinbart. Nur wenige Tage nach Unterzeichnung des Vertrages trat Dresdens Sportdirektor Rolf Minge von seinem Amt zurück. Er begründete seine Demission damit, dass er für den Verein keine Zukunft mehr sehe. Der ausgehandelte Kompromiss gilt nur für ein Jahr, danach tritt das ursprüngliche Vertragswerk in Kraft. Die Stadt kündigte auch schon an, nicht wieder in Verhandlungen mit dem Verein zu treten und kritisierte Dynamo. Der Drittligist erhalte durch den Kompromiss so viel Geld, wie die anderen Dresdner Vereine jährlich als Sportförderung erhielten.

Ende April, als die Arbeiten an der neuen Haupptribüne in vollem Gange waren, gab Generalunternehmer HBM bekannt, dass die feierliche Einweihung des Stadions am 15. September erfolgen soll. Vertraglich war das Unternehmen ursprünglich dazu verpflichtet, die Arena erst im Dezember 2009 fertig zu stellen.

In die neue Saison 2009/2010 startete Dynamo praktisch mit einem halben Stadion und einem Fassungsvermögen von etwas über 16.000 Zuschauern. Die Haupptribüne und der Block K wurden noch fertig gestellt, bevor am 15. September 2009 das neue Rudolf-Harbig-Stadion mit einer mehrstündigen Feier und vor ausverkauftem Haus auch offiziell wieder eröffnet wurde.
(Stadionwelt, 18.09.2009)
 
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