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20.07.2010 - WM 2010
 

Den größten Lärm mit den Vuvuzelas machten die Europäer


Vor wenigen Tagen endete in Johannesburg die 19. Fußballweltmeisterschaft mit einer prunkvollen Abschlusskundgebung. Stadionwelt sprach mit Fritz Duras, einem eingefleischten Austria Wien-Fan, über die gesammelten Erfahrungen in Südafrika und seine 24 besuchten Spiele.

Stadionwelt: Vor wenigen Tagen ging die 19. Fußballweltmeisterschaft zu Ende. Du warst vom Anfang bis zum Ende vor Ort. Was waren die größten Unterschiede zu den bisherigen Turnieren, die Du mit erleben durftest?
Fritz Duras: Seit 1990 besuche ich jede Weltmeisterschaft und hatten gerade die Weltmeisterschaften außerhalb von Europa, 1994 USA, 2002 Korea/Japan oder eben nun in Südafrika, immer besondere Reize. Vor allem natürlich auch deshalb, da man dort nicht so oft hinkommt und die Reisen dort immer mit neuen Eindrücken und Erlebnissen verbunden sind. In Europa, 1990 Italien, 1998 Frankreich und 2006 Deutschland, kennt man die Länder, die Städte, die Stadien. Da ist eine Reise wie jetzt nach Südafrika eine ganz andere „Herausforderung“, obwohl dann dort nicht immer so alles klappt und geplant werden kann, wie bei der WM 2006 in Deutschland. Aber das sind eben die dortigen Umstände, an die muss man sich einfach anpassen und darf man da keine perfekte Organisation wie 2006 verlangen. Wo man 2006 bei der Reiseplanung vielleicht noch in Minuten rechnen konnte, musste man jetzt halt einfach in Stunden planen, vor allem was die An- und Abreise zu den Stadien betrifft. Aber auf das musste man sich einfach einstellen und machen mitunter gerade diese nicht planbaren Situationen mit eventuell spontanen Entscheidungen den besonderen Reiz einer solchen WM aus.

Fritz Duras im Ellis Park Stadium. Im Hintergrund die Skyline von Johannesburg<br />Alle Bilder: Fritz Duras - Austria80.at
Fritz Duras im Ellis Park Stadium. Im Hintergrund die Skyline von Johannesburg
Alle Bilder: Fritz Duras - Austria80.at

Stadionwelt: Im Vorfeld wurde in dem Medien viel darüber diskutiert, ob es die richtige Entscheidung war die WM zum ersten Mal auf den afrikanischen Kontinent stattfinden zu lassen. Welchen Eindruck konntest Du in Südafrika gewinnen?
Duras: Ja, ich finde die Entscheidung, dass in Südafrika die WM ausgetragen wird, vollkommen in Ordnung. Ich kann als Europäer nicht verlangen, dass bei jeder WM europäische Verhältnisse herrschen, denn dann dürfte die WM immer nur in Europa stattfinden, und selbst in Europa würden dann nur ein paar Länder dafür in Frage kommen. Das kann es bei einer Weltmeisterschaft nicht sein, die soll in der ganzen Welt stattfinden, und da ist es auch gut, wenn diese in Länder ausgetragen wird, wo eben für Europäer nicht gerade gewohnte Zustände herrschen, sofern natürlich die Sicherheit kein zu großes Problem darstellt. Und betreffend Sicherheit hatten wir in Südafrika nicht das geringste Problem!

Stadionwelt: Vor Allem die Infrastruktur ließ Medienberichten zufolge noch etwas zu wünschen übrig. Wie war denn tatsächlich die Verkehrsanbindung der Stadien?
Duras: Na ja, das mit dem öffentlichen Transport zum Stadion und dann wieder nach dem Spiel retour war schon nicht gerade einfach. Das habe ich aber auch schon vor der WM befürchtet, weshalb ich geschaut habe, dass ich für die Zeit der WM einen einheimischen Fahrer finde, der während meines Aufenthaltes zur Verfügung steht und mich von der Lodge in Johannesburg zu den Spielen in Johannesburg, Pretoria, Rustenburg, oder falls erforderlich auch Bloemfontein, Durban, Polokwane oder Nelspruit, fährt und auch sonst für diverse Fahrten oder Ausflüge zur Verfügung steht.
Schließlich haben wir dann eine Fahrerin gefunden. Und das war dann die perfekte Lösung, weil wir wie zum Beispiel auch beim Eröffnungsspiel, wo wir für die etwa 20 km von unserer Unterkunft bis in die Nähe der Soccer City mehr als drei Stunden gebraucht haben, keinen Parkplatz suchen mussten, sondern einfach im Stau stehend aus dem Auto aussteigen und zu Fuß weiter zum Stadion gehen konnten, während eben die Fahrerin im Auto blieb und uns dann nach dem Spiel einfach wieder abholte.
Auch waren die Zustände nach dem Spiel am zweiten Spieltag beim England-Spiel in Rustenburg mehr als chaotisch, da es beim Zustieg in den Shuttlebus zum Park & Ride Platz praktisch keinerlei Organisation gab und auch dann beim Park & Ride Platz zu viele Autos parkten und es eigentlich nur eine einzige Ausfahrt gab, sodass man mitunter mehrere Stunden benötigte, um alleine mit dem Auto den Parkplatz verlassen zu können. Da wir aber keinen Parkplatz benötigten und unsere Fahrerin einfach im Auto sitzend außerhalb des Parkplatzes in Stadionnähe auf uns warten konnte, hatten wir dann damit keinerlei Probleme.
Und bei unseren Spielen in Durban oder Kapstadt habe ich geschaut, dass ich eine Unterkunft finde, von der aus zu Fuß das Stadion erreicht werden kann, sodass es auch dort perfekt klappte.
Aber grundsätzlich muss ich schon sagen, dass es besser war, wenn man nicht auf den dortigen öffentlichen Verkehr angewiesen sein musste.
Ein Problem hätte es aber fast beim zweiten Halbfinale in Durban gegeben, da mein Flug am Spieltag von Kapstadt, wo am Tag zuvor das 1. Halbfinale ausgetragen wurde, nach Durban etwa drei Stunden Verspätung hatte und ich erst eine Stunde vor Spielbeginn in Durban landen konnte. Schließlich konnte ich dann etwas abgehetzt und mit dem Gepäck in der Hand genau zeitgerecht zum Abspielen der Hymnen noch meinen Platz im Stadion einnehmen, während aber andere Fans nicht so viel Glück hatten und erst in der zweiten Spielhälfte im Stadion eintrafen oder gar überhaupt das Spiel versäumten! Da ist dann der Ärger natürlich mehr als verständlich.

Stadionwelt: Die FIFA gab vor dem Turnier bekannt, dass weit mehr als 90 Prozent aller Tickets vergeben seien und verkündete später, dass die Stadien auch sehr gut ausgelastet seien. Bei den TV-Übertragungen sah man allerdings immer wieder abgedeckte Sitzplätze oder gar fast leere Blöcke. War der Andrang vor ort wirklich so gering?
Duras: In der Regel waren die von mir besuchten Spiele ziemlich gut besucht und die Stadien fast voll. Von „geringem Andrang“ kann da also nicht die Rede sein, wobei es aber bei meinem ersten Spiel in Pretoria, Serbien gegen Ghana, vor allem hinter den Toren doch ziemlich viele freie Plätze gegeben.

Duras besuchte nicht nur die Stadien. Ein Ausflug anch Soweto zeigte das Leben der Südafrikaner<br />
Duras besuchte nicht nur die Stadien. Ein Ausflug anch Soweto zeigte das Leben der Südafrikaner

Stadionwelt: Afrika war für viele Fans ein ganz neues Erlebnis. Auf Deinen Bildern sieht man auch Ausflüge in Nationalparks. Konntest Du auch mit den Einheimischen in Kontakt treten und in Erfahrung bringen, was sie über die WM denken?
Duras: Ja, da wir auch eine südafrikanische Fahrerin hatten, waren wir natürlich ständig in Kontakt mit den Einheimischen. Aber auch sonst hat sich immer wieder die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme ergeben und hat sich da gezeigt, dass die Südafrikaner besonders Stolz darauf waren, diese WM austragen zu können und viele ausländische Gäste im Land begrüßen zu dürfen. Und diesen Gästen dann auch zeigen zu können, dass ein Besuch in Südafrika keine Gefahr darstellt.

Stadionwelt: Die Vuvuzelas waren das Thema schlechthin. Von Ohren betäubenden Lärm war immer wieder die Rede. War es wirklich so schlimm in den Stadien?
Duras: Ich war darauf vorbereitet und mit Gehörschutz ausgestattet, sodass ich es im Stadion nicht so schlimm empfunden habe. Allerdings: Gerade die europäischen Fans machten sich in Südafrika einen Spaß damit und haben sich diese mit den Vuvuzelas eingedeckt und damit im Stadion Lärm gemacht!

Stadionwelt: In Deutschland gibt es sogar eine Petition gegen die Blasinstrumente. Würdest Du der Petition beitreten oder siehst in den Tröten ein Teil der dortigen Fankultur?
Duras: Diese Tröten sind einfach Teil der südafrikanischen Fankultur. Das ist auch gut so und soll sie dort wie es üblich ist ausgelebt werden. Das ist eben dort die Art der „Anfeuerung“. Allerdings hat das bei uns eher nichts verloren, da herrscht eine völlig andere Fankultur, die mit der dortigen nicht verglichen werden kann. Von einem generellen Verbot halte ich aber eigentlich nichts.

Stadionwelt: Du hast 24 der 64 Spiele gesehen. Den Rekord für die meisten gesehenen Spiele trug aber der Südafrikaner Thulani Ngcobo davon. Der Unterschied ist allerdings, dass Deine Mannschaft/Dein Land nicht mitspielte. Wie sehr schmerzte diese Tatsache?
Duras: Alleine für die Reiseplanung ist es schon einfacher, wenn das eigene Land nicht mitspielt. So muss ich nicht unbedingt auch dorthin fahren, wo Österreich gespielt hätte. Ich hatte aber auch nicht vor, irgendeinen „Rekord“ aufzustellen, wobei ich aber für wesentlich mehr Spiele Karten hatte und ursprünglich auch der Besuch von mehr Spielen geplant war, da es mit planbaren mitteleuropäischen Verhältnissen und Verkehrsbedingungen durchaus auch möglich gewesen wäre, an mehreren Spieltagen gleich zwei Spiele zu besuchen. Nach den Zuständen in Südafrika beim Eröffnungsspiel und dem zweiten Spieltag, wo ich das England-Spiel in Rustenburg besuchte, bin ich dann aber davon abgekommen, zwei Spiele am gleichen Tag zu besuchen, da dies dann viel zu „stressig“ geworden wäre, sodass ich dann eben immer nur pro Spieltag ein Spiel besucht habe.

Die Vuvuzelas, in Südafrika fester Bestandteil der Fankultur<br />
Die Vuvuzelas, in Südafrika fester Bestandteil der Fankultur

Stadionwelt: Ein weiterer und nicht unerheblicher Unterschied ist, dass der neue Weltrekordhalter seine Reise von Sponsoren bezahlt bekam. Kannst Du in etwa beziffern, wie hoch die Ausgaben für Deinen Trip waren?
Duras: Ich hab eigentlich nie alles genau zusammen gezählt. Vor allem musste ja auch nicht alles gleichzeitig bezahlt werden. So wurden die meisten Matchkarten schon vor längerer Zeit gleich bei der ersten Bestellphase bezahlt. Auch wurde der Flug nach Südafrika schon ein Jahr vor der WM gebucht und bezahlt.
Aber ich rechne, dass es insgesamt, also für alle Matchkarten, alle Übernachtungen, der Flug nach Südafrika, die fünf Inlandsflüge, die Transportkosten in Südafrika beziehungsweise für die Fahrerin oder die Ausflüge, schon so um die 10.000 Euro sein werden.

Stadionwelt: Welches Fazit ziehst Du persönlich für Dich von der WM 2010 in Südafrika?
Duras: Also diese 5 Wochen, meine Abreise erfolgte am Mittwoch, 9. Juni und war die Rückkehr nach Wien am Dienstag, den 13. Juli, waren ein ganz besonderes Erlebnis mit teilweise einzigartigen Eindrücken, die bei einer Weltmeisterschaft in Europa wohl nie möglich gewesen wären, weshalb ich es in keinster Weise bereue, diese Reise nach Südafrika unternommen zu haben.

Stadionwelt: Bei den Strapazen und der Unmenge an Spielen, die Du in Südafrika auf Dich nahmst, bleibt die Frage, kommt jetzt der Urlaub vom Urlaub oder geht es direkt weiter mit dem Ligaalltag und der Europaleaguequalifikation gegen Siroki Brijeg?
Duras: Na ja, ich finde, dass die „Strapazen“ bei dieser WM für mich nicht so groß waren. Bei der Reiseplanung habe ich schon darauf geschaut, dass in erster Linie die Spiele im Raum Johannesburg / Pretoria / Rustenburg besucht werden, sodass ich da dann immer in der gleichen Lodge in Johannesburg wohnen konnte, ohne mit dem ganzen Gepäck täglich zwischen verschiedenen Spielorten pendeln zu müssen.
Und auf Grund der dortigen Umstände habe ich dann auch auf den Besuch von zwei Spielen am gleichen Tag verzichtet, da dies dann mitunter zu stressig geworden wäre, obwohl ich ja für mehrere Spieltage auch Karten für mehr als nur ein Spiel hatte.
Und gleich nach meiner Rückkehr, am Dienstag kam ich wieder in Wien an, ging es am Donnerstag mit dem Europa League Qualifikationsspiel „meiner“ Austria gegen Brijeg weiter und startete dann am Wochenende bei uns bereits wieder die nationale Meisterschaft. (Stadionwelt, 20.07.2010)

Weitere Informationen:
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