„Lassen sich Sicherheit und Ästhetik vereinbaren?“
Für Veranstalter und Zelthersteller ist bei öffentlichen Events die größtmögliche Sicherheit eines der wichtigsten Anliegen. Mit Blick auf immer häufiger auftretende Starkwindereignisse und extreme Witterungen äußerte sich Christoph Lederer von LB Engineering.
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| Christoph Lederer |
Im Bereich der Windlasten wird die Einführung der neuen DIN-Norm gravierende Auswirkungen auf alle Zeltsysteme haben. Deswegen hat sich der Berliner Hersteller geodätischer mobiler Räume ZENDOME dafür entschieden, die Windlast auf die Zeltkonstruktion untersuchen zu lassen und damit die Firma LB Engineering beauftragt. Es wurden mit der numerischen Strömungssimulation der Windeinwirkung die Kräfte auf die geodätische Struktur berechnet und anhand der neuen EU-Normen zu den Windlasten auf Bauwerke bewertet.
Stadionwelt: Welche Erfahrungen hat LB Engineering mit fliegenden Bauten beziehungsweise mobiler Architektur für den Event-Bereich?
Lederer: Unsere Leistungen werden unter anderem für Großprojekte eingesetzt, da unsere Kompetenzen im Bereich der Strömungsmechanik ein breites Spektrum abdecken, von der numerischen Strömungssimulation bis hin zur messtechnischen Erfassung von Strömungsparametern. So haben wir beispielsweise die Windlasten auf die bewegliche Dachstruktur des EXPO 2000-Pavillons von Venezuela, ‚La Flor de Venezuela‘, berechnet.
Stadionwelt: Werden Ihre Ergebnisse in der Praxis angewendet?
Lederer: Die komplexe Dachkonstruktion des Venezuela-Pavillons öffnet sich je nach Wetterbedingungen über ein Hydrauliksystem und ist somit hohen Windlasten ausgesetzt. Die Berechnungen bestätigten die Sicherheit der Konstruktion auch an dem neuen Standort des Pavillons in Venezuela, wo er zu Beginn des Jahres 2008 wiedereröffnet wird.

Konturen der Geschwindigkeitsverteilung über dem Pavillon ‚La Flor de Venezuela‘ am Standort Barquisimeto, Venezuela.
Alle Bilder: LB Engineering
Stadionwelt: Bei den geodätischen Strukturen haben Sie exemplarisch den ZENDOME.150M untersucht. Welche Anforderungen wurden dabei definiert?
Lederer: Es hat uns viel Spaß bereitet, diese interessante Struktur zu untersuchen. In Zusammenarbeit mit einem Statikerbüro haben wir die Kräfte definiert und das System in keiner Weise geschont. Wir haben bereits die Windansätze der kommenden Euronormen angesetzt. Schon während der Starkwindereignisse des letzten Jahres zeigte der ZENDOME die Sicherheit des Tragwerks. Um ihren Kunden und deren Gästen die größtmögliche Sicherheit zu geben, wollten die Auftraggeber diese Erfahrungen auch durch Strömungssimulationen überprüfen lassen. Neben der regulären Prüfung haben sie daher die unabhängige Untersuchung bei uns in Auftrag gegeben.
Stadionwelt: Können Sie uns in zwei Sätzen das Untersuchungs-Design erklären?
Lederer: Die Windlast auf den ZENDOME wurde bei Windgeschwindigkeiten von 30 Meter pro Sekunde in zehn Metern Höhe über dem Boden mittels numerischer Strömungssimulation berechnet. Aus den Ergebnissen der Strömungsberechnung werden die Druckverteilungen auf die Membran des ZENDOMES ermittelt, welche in die resultierenden Kräfte auf den ZENDOME umgerechnet werden. Damit haben wir die Grundlage für die Überprüfung der Verankerung und der Auflasten.
Stadionwelt: Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Struktur mit 40 Tonnen Sog vom Boden abgehebelt wird, der geodätische Dome damit einer Tragfläche gleichzustellen ist. Wie werden diese Kräfte aufgenommen?
Lederer: Der Wind wird durch die runde Form geodätischer Domes auf bis zu 220 Kilometer pro Stunde beschleunigt und entwickelt enorme Kräfte auf der Sogseite – analog zu Tragflächen von Flugzeugen. Unsere Untersuchung zeigt, dass ZENDOME die Anforderungen aus der EN 1991-1-4 und der neuen, an den Eurocode 1 angepasste, DIN 1055-4 auch in den regionalen Gebieten erfüllt, die den stärksten Windzonen zugeordnet werden. ZENDOME trägt den hohen Kräften durch eine entsprechende Verankerung und die richtige Auslegung der Auflasten Rechnung.

Alternative Darstellung der Geschwindigkeitsverteilung.
Stadionwelt: Gibt es viele Anbieter aus dem Bereich der fliegenden Bauten die ihre Systeme überprüfen lassen?
Lederer: Um ehrlich zu sein, ich kann es nicht sagen, kann es mir aber nicht vorstellen. Obwohl im letzten Jahr bei den bereits genannten Starkwindereignissen einige Strukturen zum Fliegen gekommen sind. Selbstverständlich bestimmt nicht nur hochwertige Verarbeitung allein die Standfestigkeit der geodesic domes und anderer fliegender Bauten, es müssen natürlich die angegebenen Auflasten als wesentlicher Bestandteil für die Beständigkeit von Strukturen auch eingesetzt werden.
Stadionwelt: Wenn Sie die Daten aus dem Markt eruieren, welche Besonderheiten weist das System auf?
Lederer: Es gibt auf dem Markt verschiedene Anbieter von Systemen, mit denen geodätische Strukturen realisiert werden können. Das Ergebnis unserer Untersuchungen hat unseren Eindruck verstärkt, dass ZENDOME eine strenge Qualitätspolitik verfolgt und dabei die Sicherheit der Kunden immer im Vordergrund steht. Darüber hinaus sieht der ZENDOME einfach toll aus. (Stadionwelt, 13.12.2007)
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