„Warum ist ein Stadion aus Fertigteilen weniger individuell?“
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| Josef Ellebracht |
Der Bau der paragon-arena sorgte aufgrund eines einjährigen Baustopps für Diskussionen. Mittlerweile ist die neue Heimat des SC Paderborn eingeweiht. Für den Bau zeichnete die Bremer AG verantwortlich, deren Geschäftsführer Josef Ellebracht sich im Interview äußert.
Stadionwelt: Herr Ellebracht, die paragon-arena wurde im Juli endlich eingeweiht. Lief aus Ihrer Sicht alles glatt?
Ellebracht: Wir hatten ja quasi zwei Eröffnungsspiele, darunter die ausverkaufte Begegnung SC Paderborn 07 gegen Borussia Dortmund. Es gibt bei einem solchen Projekt immer Kleinigkeiten, die sich in der Praxis als verbesserungswürdig erweisen. Alles Dinge, die schnell abzuschalten waren. Wir haben jedenfalls eine sehr positive Resonanz erfahren, auch Jürgen Klopp (Anm. d. Red.: Trainer von Borussia Dortmund) war begeistert. Ein voll überdachtes Stadion dieser Größe ist einmalig.
Stadionwelt: Betritt man den Innenraum der Arena, fallen einem direkt die ungewöhnlich hohen Wände zwischen Tribüne und Dach auf.
Ellebracht: Nicht nur, dass die Wände höher sind, auch das Dach ist steiler als in anderen Stadien. Hintergrund ist einerseits die Schallbeugung. Der Schall breitet sich geradlinig aus, es kommt somit zu keinen Lärmbelästigungen für die Anwohner. Andererseits konnten wir durch die Höhe der Konstruktion das Flutlicht an der Dachkante anbringen. Ein Flutlicht in klassischer Ausführung wäre aufgrund der unmittelbar nebenan gelegenen Autobahn und zu befürchtenden Blendwirkung nicht gestattet worden. Bei den bisher hier ausgetragenen Partien haben sich die Wände jedoch als sehr förderlich für die Atmosphäre erwiesen. Zudem besteht perspektivisch die Möglichkeit, weitere 4.000 bis 5.000 Plätze unterhalb des Dachs zu schaffen, so denn eines Tages Bedarf besteht.

Auffallend hoch sind die Wände zwischen den Plätzen und dem Stadiondach.
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Stadionwelt: Ungewöhnlich ist auch die Erschließung der Ränge, die nicht wie sonst üblich über den Rücken der Tribünen und Mundlöcher, sondern sozusagen von vorne erfolgt.
Ellebracht: Aus Platzgründen waren wir praktisch gezwungen, die Erschließung so umzusetzen. Einerseits nehmen die erwähnten Mundlöcher in eher kleinen Stadien zuviel Platzkapazität weg, andererseits war das Baugrundstück nicht groß genug, um Kioske und Toiletten in einer Art Umlauf unterzubringen. Deshalb befinden sich die Versorgungseinrichtungen nun gänzlich unterhalb der Tribüne, was bei einer Erschließung „von hinten“ nicht realisierbar gewesen wäre. Zusätzlicher Vorteil: die unterste Sitzreihe befindet sich auf drei Metern Höhe, was also auch auf den vermeintlich schlechtesten Plätzen beste Sichtqualität garantiert.
Stadionwelt: Ist das Konzept denn aus sicherheitstechnischer Hinsicht unbedenklich?
Ellebracht: Ja, es entspricht den Vorgaben von DFL und DFB. Auch bei den bisherigen Spielen in der paragon-arena ergaben sich keinerlei Irritationen. Die Besucher sind sehr schnell auf ihren Plätzen. Andererseits aber in der Halbzeit auch so schnell am Bierstand, dass teilweise hohe Wartezeiten entstanden. Da gibt es sicherlich noch Optimierungsbedarf.

Die Erschließung der paragon-arena erfolgt „von vorne“.
Stadionwelt: Kommen wir ein wenig weg von der paragon-arena, hin zur Bremer AG an sich. Was ist das Besondere an Ihrem Stadionbaukonzept?
Ellebracht: Grundsätzlich basiert unser Stadionbau auf dem Einsatz von Fertigteilen. Wir haben 400 Mitarbeiter in der Produktion, davon 100 Ingenieure. Mit Bremer-eigenem Know-how fertigen wir alle Teile im Werk. Wir bieten Interessenten übersichtliche Kostenmodelle und kurze Bauzeiten. Ein Stadion für 15.000 Zuschauer kostet bei einer Bauzeit von zehn Monaten etwa 12,5 Millionen Euro. Der Bauherr muss kein eigenes Planungsbüro einschalten, auch diesen Part übernehmen wir.
Für uns spricht außerdem der Einsatz von Stahlbetonfertigteilen, im Gegensatz zu purem Stahl wie in anderen Stadien, dadurch können wir kostengünstiger produzieren. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass die Stahlpreise in den letzten Jahren um fast 300 Prozent gestiegen sind.

Die Fassadengestaltung erlaubt Individualität.
Stadionwelt: Wie kann man mit oder auch trotz Modularbauweise für Individualität sorgen?
Ellebracht: Ob modular oder nicht, jeder Verein strebt Individualität beim Stadionbau an. Unser Baukonzept lässt dabei verschiedene Möglichkeiten zu, sei es die Anzahl und Gestaltung der Logen und VIP-Plätze, die Fassadengestaltung oder die Konzeption der Erschließung und der Versorgungsebene. Ich wüsste nicht, warum ein Stadion mit Fertigteilen weniger individuell sein soll, als ein „herkömmliches“ Stadion.
Stadionwelt: Stadien in modularer Bauweise haben Zukunft. Welche Projekte stehen bei Ihnen an?
Ellebracht: Wir haben den Auftrag erhalten, im Münsteraner Preußenstadion eine neue Haupttribüne inklusive Funktionsgebäude mit rund 3.000 Sitzplätzen zu errichten, davon 800 VIP-Plätze. Die Einweihung ist für April 2009 geplant. Am 18. September werden wir zudem unser Konzept beim FC Ingolstadt 04 präsentieren, der ein komplett neues Stadion errichten will.
Etwas konkreter sind die Planungen schon in Oberhausen, wo aus dem bestehenden Niederrheinstadion eine reine Fußballarena mit 17.000 Plätzen werden soll, davon 2.000 Plätze aus dem alten Bestand. Hinzukommen 10.000 Sitz- und 4.500 Stehplätze die in Hufeisenform um die bestehende Haupttribüne herumgebaut werden. Auch die TuS Koblenz hat ein Angebot von uns vorliegen, jedoch ist dort die Standortfrage noch nicht endgültig geklärt.
Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass unser Konzept in der Branche große Zukunft hat. Mit der paragon-arena haben wir ein Referenzobjekt geschaffen, das uns viele Türen geöffnet hat und öffnen wird. (Stadionwelt/Pascal Reichardt, 21.08.08)

Ein Referenzobjekt mit Zukunft.